Spielekiller

Manchmal scheint ein Hoffnungsschimmer auch nur der Scheinwerfer des Lastwagens zu sein von dem man gleichüberfahren wird. Wir leben jetzt schon seit Jahren ohne Fernsehen, nur von einem selbst ausgewählten Mix aus Videos und Web-TV. Immer wieder schleicht sich bei mir die Vermutung ein, daß es bei mir auch mal genauso mit den Videospielen werden könnte.

Das Spielen an PC und Konsole gehört zu mir, genau wie Kochen und Musik zu hören. Ich bin einfach damit aufgewachsen, es ist ein Hobby, eine Leidenschaft. Und in den letzten Jahren wirklich etwas, das Leiden schafft, als Computer plötzlich simpel und spielen plötzlich „in“ wurde. Ich verkneife mir jetzt die leidige Diskussionüber Casual und Hardcore Spiele. Mir geht es nicht um die Erschließbarkeit und Einsteigerfreundlichkeit von Spielen, sondern um die grundsätzliche Qualität.

Die Qualität hat nämlich meiner Meinung immer weiter gelitten. Von notwendigen Patches am Releasetag bis hin Spielen wo die Programmierern nach der Einführung anscheinend keine Lust mehr hatten war alles dabei. Aber auch Story, Ideen und Spielelemente haben sehr gelitten. Die Entwicklung hat vor allem Electronic Arts vorangetrieben indem sie aggressiv Studios mit innovativen Ideen und guten Konzepten aufgekauft und deren Arbeit vervielfältigt haben. So wurden Denkfabriken zu Kopiermaschinen. Aber auch sonst ist eine einfache Rechnung. Simple Spiele sind einfacher, also kostengünstiger zu Programmieren.  Dem Gelegenheitsspieler fehlt auch nicht so schnell ein komplexes System oder eine lange Spieldauer, im Gegenteil man kann die Lernphase in weniger komplexen Spielen verkürzen.

Damit soll jetzt nicht gesagt werden, dass simple Spiele gleichzeitig schlecht sind. Tetris ist sehr simpel und es macht  trotzdem Spaß. Es ist aber ein paralleler Trend gewesen, daß Spiele simpel und Qualitativ schlechter wurden. Es geht den Publishern eben nur soweit um den Spaß am Spielen, wie es den Verkaufszahlen gut tut, eine marktwirtschaftlich gesunde Einstellung.

Aber gesund für den Spielspaß war das ganze nicht. Dieser Trend wurde ausgerechnet auch von EA durchbrochen. EAs Ruf hatteüber die Jahre natürlich gelitten, weswegen sie eine Qualitätsoffensive versprachen. Nach denüblichen jährlichen Ablegern wie NHL2009, Fifa 2009 usw. kamen aber auch sehr gute Spiele wie Dead Space und Dragon Age: Origins oder auch Need for Speed Shift. Im Gegensatz dazu steht der frisch fusionierte Branchen-Gigant Activision Blizzard, der gleich eine 100-Million-Policy einführte, die besagt, dass nur noch Spiele veröffentlichen will, die mindestens 100 Millionen Dollar Gewinn einspielen. Darum kam auch sofort die Schere und einige Projekte wurden gestoppt, wie Brütal Legend, das dann später ausgerechnet bei EA unterkam. Das ganze gefiel Activision Blizzard weniger. Frei nach dem Motto „wenn ich dich nicht habe, soll dich kein anderer haben“ versuchten sie die Veröffentlichung zu verhindern. Erfolglos. Inzwischen spült Brütal Legend Geld in die Kassen von EA. Wohl keine 100 Millionen, aber immer noch einiges an Gewinn.

Man könnte also von einer positiven Entwicklung sprechen. Anscheinend war das aber leider nur ein kurzes Phänomen. EA schreibt nämlich zum ersten Mal rote Zahlen. Was jetzt auch an einer völlig aufgeblähten Firmenstruktur mit Accessoires von EA Badelatschen bis hin zu EA Mineralwasser liegen könnte, wird natürlich auf die nicht-ganz-so-casual-Spiele geschoben. Darum wurde gleich versprochen, von solchen Risikoprojekten Abstand zu nehmen. Von einer Firma, die eine Kampfkasse von fast einer Milliarde Dollar hat, könnte man etwas mehr Risikolust erwarten. Aber stattdessen wird davon gesprochen die eigene Medal of Honor-Serie wiederzubeleben, also EA’s Call of Duty Equivalent. Juhu.

Ich spreche natürlich aus der Position eines Spielers. Allein ausökonomischer Sicht sind einfachere Spiele und ein großes Marketing-Budget anscheinend der richtige Weg, wie auch Call of Duty: Modern Warfare 2 zeigt. Neben einem Mehrspielermodus, der mit dem des ersten Spiels fast identisch ist, zeichnet es sich durch geringere Community-Integration und einem Einzelspieler-Niveau von Moorhuhn Jagd aus. Die kurze Story ist effektvoll umgesetzt, nur die Gegner verhalten sich wie Suizid-gefährdete Lemminge, die nicht viel Unterschied zu den Zielscheiben des Tutorials erkennen lassen. Trotzdem ist das Spiel ein riesigen Erfolg, selbst wenn die Besitzer im nachhinein darüber lästern, sie haben es gekauft. Genau wie ich auch. Es lohnt sich doch oft eben keine Demo für Spiele herauszubringen, weil viele Spieler dann „auf gut Glück“ kaufen. Ich betrachte das Spiel mit einem lachenden und einem weinenden Auge, weil mir der Mehrspielermodus im Grunde gefällt, die fehlende Unterstützung von dedizierten Servern dem Spiel aber schadet. Auch wenn ich sonstöfter DLC gekauft habe, werde ich das für Modern Warfare 2 wohl kaum tun.

Ich denke, daß gerade die immer weiter sinkende Qualität und das bloße Recyclen von Konzepten dazu führt, daß so viel Raubkopiert wird. Oft scheint alles nur der gleiche Einheitsbrei zu sein und wenn ein Spiel mal gut ist, dann ist es oft wegen Bugs schlechter spielbar. Viele laden Spiele aus dem Internet, um die fehlende Demo zu ersetzen. Gerade weil in Deutschland das Umtauschen von PC Spielen oft auch besonders schwer ist. Die Preisentwicklung tut ihrübriges. Es wäre für den Spielemarkt auf Dauer gar nicht so schädlich mehr für Spiele auszugeben. Wenn bei den Spielern ein Gefühl für Qualität entsteht und eine Faszination für Spiele, dann kauft man vielleicht auch sein Leben lang welche. Es entsteht also eine Kundenbindung, eben das, was im Marketing für andere Produkte zum Ein mal Eins gehört.

.: MC Frontalot – Secrets of the Future :.

Nur noch ein kleiner Nachtrag:

Auf Golem.de wurde vor einiger Zeit einer der Köpfe hinter diesen Entscheidungen vorgestellt. Darum gibts jetzt noch einen kleinen Auszug und einen Link. Ich präsentiere Robert Kotick:

Kotick sagte, er habe vor zehn Jahren absichtlich neue Mitarbeiter aus anderen Branchen zu Activision gebracht, um „den Spaß aus der Entwicklung von Videospielen“ zu vertreiben. Er versuche, bei Activision eine Atmosphäre von „Kleingläubigkeit, Schwarzseherei und Angst“ zu etablieren, um die Mitarbeiter insbesondere angesichts der Finanz- und Wirtschaftskrise dazu zu bringen, stark auf die Kosten zu achten.

Activision Blizzard: Profit statt Spaß, TV statt Konsolen @ golem.de

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