Seid miserabel!

Was mir beim Schreiben wieder mal aufgefallen ist: Uns geht es schlecht! Nicht immer, aber immer mal wieder und ein gewisses Grundunwohlsein wohnt uns allen inne. Keine Sorge, das wird jetzt kein Früher-war-alles-besser-Posting und auch kein pessimistisches Gebrabbel. Höchstens eine Ode an die Imperfektion. Warum habe ich jetzt schon wieder das starke Gefühl mindenstens drei Menschen vergrault zuhaben. Nunja schade.

Ich arbeite im Moment an einem Textüber Populismus und meine Gedanken schießenöfter mal interdisziplinäre Querschläger. Ich finde sowas wichtig, wobei es wichtiger wäre, wenn es jemand macht, der sich damit auskennt. Populismus nutzt oft die Unzufriedenheit der Menschen aus. Ihre Verzweiflungüber das hier und jetzt und das Protestpotential für einen neuen Weg. Popuslismus ist ein Bestandteil der Massendemokratien in denen wir heute Leben (weiter lesen, gleich wirds interessant). Mit anderen Worten, wo Millionen von Menschen, unter denen sich mehr Miesepeter befinden als es gut wäre, werden auf einen Haufen geworden und da entstehen Konflikte. Während der Eine denkt, man hat von seinem Breichen gegessen, vermutet der Andere, man hat in seinem Bettchen geschlafen (mit oder ohne Ehefrau). Wenn es hart auf hart kommt, dann hat irgendein Nestbeschmutzer auch noch auf das Sofa gekackt.

So ist das eben. Wir sind alle zwar relativ gleich geschaltet aber trotzdem Individuen und das geht oft nicht reibungslos von statten. Was alles jetzt so salop gesagt ist, ist trotzdem ernst. Wir fühlen uns benachteiligt, unsicher und entwurzelt. Da ist sie wieder meine Freundin, die Malaise. Das ist nichts, was aufs Brot kommt, sondern höchstens etwas, von dem einem das Brot wieder hochkommt. Was Malaise bedeutet, ist schwer zu sagen und greifbar zu machen. Die Malaise wird als generelles Unwohlsein beschrieben. Ein Gefühl der Unzufriedenheit, das jeden Menschen mehr oder weniger stark betrifft aber ein Bestandteil unseres Lebens geworden ist.

Die Malaise entsteht durch die Zustände in unseren großen, modernen Zivilisationen. Wir sind eingeengt, entwurzelt, mit immer unwichtiger werdender Familie. Wir können uns kaum orrientieren, Religion gibt uns keinen halt mehr und entweder folgen wir dem System unserer Eltern oder wir werden Opfer ihrer Generation (Umweltverschmutzung, Zensursula, Staatsverschuldung, Renten usw.). An keine Generation war die Erwartung so groß, wie an unsere. Wir werden geschult, genormt und vorbereitet, das wir perfekte Kopien der Erwartungen unserer Vorgänger sind. Aber funktioniert das? Immerhin waren die, die diese Regeln gemacht haben weniger genormt und es entspringt nur den Vorstellungen von Ihnen. Das Bachelor Chaos wäre nur ein Beispiel dafür.

Alle zeigen uns immer, wie wir sein müssen und wissen was gut für uns ist, während darüber gemosert wird, wie schlecht alles geworden ist. So viele Erwartungen werden gestellt, dass man immer welche enttäuscht und irgendwann ist jede Glückssträhne vorbei und jeder Optimist wurde niedergerungen. Auch wenn man selbst ungetrübter Optimist ist, die Welt um einen herum ist es nicht und irgendwann kommt es zu einer Konfrontation. Während uns Werbung und Fernsehen sagt, wie wir noch schöner, besser und gesünder werden können, fällt uns nur auf, was wir noch alles hätten besser machen sollen. Dabei geraten wir jeden Tag mehr unter Druck in einem Leben aus den Meinungen anderer. Keiner kann sich immer davon abschotten ohne sich von allen Menschen abzuschotten und sich selbst auszugliedern.

Dabei zeigt uns Werbung und Film nur, wie es sein soll, was man erreichen kann (oft auch nicht). Niemand will wirklich, das es ihm schlecht geht und wenn doch, dann hat er mehr Probleme, als ein wenig Pech. aber Scheiße gehört zum Leben dazu. Sie passiert jeden Tag, manchenöfter, manchen weniger. Aber es ist ein Teil des Lebens, dass nicht alles klappt und klappen kann. Jede gute Phase ist irgendwann vorbei und es gibt nicht jedes Mal ein Happy End.

Seid miserabel! Traut euch mal schlecht drauf zu sein. Ihr müsst nicht andere darunter leiden lassen aber nicht jeder muss darunter leiden und oft kann man einfach nicht damit umgehen. Man hat ein Schutzschild gegen alles Miese und wenn man es akzeptiert, hat man oft das Gefühl es hinein zu lassen. Aber manchmal muss man das auch. Wem hilft es, sich noch extra schlecht zu fühlen, weil er sich schlecht fühlt? Wem hilft es, Vorwürfe zu kriegen, wenn man gerade sowieso keine Kraft hat positiv zu sein? Warum muss man sich selbst noch von der Werbung anhören fett zu sein oder von den Eltern, dass man noch keine Kinder hat? Zum Leben gehören Speckfalten, keine Lust auf Arbeit, schlechte Laune und genervte Momente. Sie entstehen nicht dadurch, dass man ja zu ihnen sagt, eher dadurch das man versucht sie zu leugnen. Der Druck immer zumindest „Muss ja“ zu sein, macht euch kaputt. Wozu hat man Freunde, Musik oder eine Flasche Wein? Alles geht vorrüber.

Seid imperfekt, seid wie er seid, aber seid euch auch darüber im klaren! Genauso wenig, wie ihr perfekt seid, müsst ihr es auch nicht von anderen erwarten und ihnen erlauben auch miserabel zu sein. Da ist nichts schlimmes bei und solange es kein Dauerzustand ist, auch völlig in Ordnung. Seid so gut es geht fair und euch im klaren darüber, wer ihr seid und nicht nur, wie ihr sein wollt. Jeder hat mehr Fehler, als er zugeben möchte und meistens fühlt man sich nur schlecht, weil man mehr erwartet, auch von anderen. Probleme sollen nicht im Raum stehen bleiben aber mit Gewalt erreicht man nichts. Sucht euch Menschen, die euch akzeptieren, wie ihr seid. Ohne Druck, ohne Maske und ohne Müssen. Das ist der einzig wahre Frieden, den es hier auf Erden gibt und unendlich Wertvoll.

.: Nirvana – Come as you are :.

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