I ain't dead yet

Nachdem ich mit derüberschrift jeden Freund von grammatisch einwandfreiem Englisch jetzt vertrieben habe, hoffe ich, dass wenigstens irgendwer weiterliest. Heute geht’s um das Ich undüber-Ich. Aber keine Sorge, das wird nur dasübliche Geschwafel und kein soziologischer Vortrag mit größerem Nährwert.

Das Leben ist schon eine komische Sache. Was uns von Tieren unterscheidet, ist unser Bewusstsein, unser Charakter, also das rationale und emotionale aktive Wahrnehmen und Nachdenken verschiedenster Dinge. Instinkt wird durch Entscheidungen ersetzt. Beispielsweise denken wir ab und zu „Oooohh ein Ball!“ und wenn er uns an den Kopf fliegt, hätte sich ein Tier schon lange instinktiv geduckt.

Das ist im täglichenüberlebenskampf oftähnlich. Während sich Tiere zielstrebig mit Fortpflanzen und Fressen beschäftigen, ist das bei uns komplizierter. Ganz davon abgesehen, dass wir den Luxus des Lebens gewohnt sind, also Autos, Getränke in Flaschen und Instant-Nudelsuppen, erfordert das Zusammenleben mit so vielen querdenkenden anderen Menschen ganz andere Taktiken.

Wir sind nun doch irgendwie Herdentiere, die aber miteinander oft nicht klarkommen, weil sie mit sich selbst irgendwie nicht klarkommen. Das wurde in den letzten Jahren nicht besser. Die Rollenverteilung hat sich geändert, Religion und andere einen Rahmen gebenden Werte verschwinden und wir werden grundsätzlich auch verrückter.

Mit anderen Worten: Zu zweit ist das ganz schön kompliziert. Es kostet Kraft, Nerven und tut – egal wie es läuft, irgendwann auch weh. Es hat kaum etwas anderes so ein großes Potential jemandem weh zu tun, wie Liebe. Dabei brauchen wir Liebe nicht zumüberleben. Sex klappt auch so ganz gut und das Fortpflanzen leider schon zu gut.

Aber würden wir nur das tun, was wir zumüberleben brauchen, würde uns noch eine Keule und eine praktisch möblierte Höhle reichen. Das ist mir zu blöd. Ich bin froh, dass ich im Gegensatz zu vielen Tieren ein Ich habe. Ich fühle, Gutes wie Schlechtes und das gerne. Natürlich wünsche ich mir, dass Schmerz aufhört und ich Angst besiegen kann, aber ohne die schlechten Zeiten verlernt man die guten zu schätzen. Ich habe keine Lust mich zu benehmen wie ein gefühlsmäßiger Einzeller. Wobei ich dann ab und zu zum gefühlsmäßigen Amokläufer werde. Man braucht eben schon Schutzschilde, um sich abzuschirmen gegen alles, was einen zu sehr mitnimmt, zu viel Kraft kostet, um weitermachen zu können. Am besten löst man solche Dinge, bevor sie so groß werden, dass sie einen erschlagen können. Am besten tut man so was, wenn es geht, auch zu zweit.

Ich denke, dass man alleine stark ist, aber gemeinsam stärker. Wenn man sich seiner Schwächen bewusst ist, kann man sich auf den anderen verlassen. Man kommt weiter, wenn man sich gegenseitig unterstützt. Aber der Preis ist hoch. Man verzichtet immer auf ein kleines Stück von sich selbst oder ehrlich gesagt auch auf ein riesengroßes. Es gehört viel dazu in einer Beziehung komplett man selbst sein zu dürfen. Viel Vertrauen, viel Akzeptanz, viel Mut – sehr viel Liebe. Aber wenn man sich wirklich liebt, ist das möglich und ich würde alles dafür tun. Auch wenn alles im Moment weh tut, von allen Treffer auf mich einschlagen, ich werde nicht verzweifeln. Ich bin vielleicht verwundet, aber noch lange nicht tot. Ab und zu trifft mich etwas hart, aber kurz darauf geht es wieder. Man muss Schwäche zeigen dürfen, genau wie ich jetzt versuche alles was wegzustecken, um Sophie alle Zeit zu geben, die sie braucht. Ich glaube an sie und vertraue ihr.

Natürlich kann man sich immer irren, aber bis jetzt habe ich mich nicht in ihr getäuscht. Soll ich sie bestrafen für das was andere getan haben? Soll ich sie so behandeln, wie andere es tun würden? Nein, das ist mein Leben und mein Weg. So langsam normalisiert sich alles und ich habe wieder mehr Kraft für alles. Nicht, das der Druck weniger wäre, aber was Dich nicht umbringt, macht Dich stärker. Warum sollte ich einen Kampf aufgeben, der noch nicht zu Ende ist? Es ist noch nichts entschieden. Manche Menschen sind es wert für sie durch die Hölle zu gehen und ich habe das starke Gefühl, dass es das Richtige ist.

Das alles gehört zumüberlebenskampf von heute. Menschen kämpfen nicht nur mit ihrer Umwelt, sondern auch mit sich selbst. Ich denke, wenn wir das auf dem Planeten noch hinkriegen wollen, müssen wir uns mehr für uns einsetzen. Haben wir früher nur Beziehungen geführt, weil Gott das wollte? Oder aus wirtschaftlicher und sozialer Not? Das sehe ich nicht ein. Ich liebe der Liebe und des Menschs wegen und nicht, weil es mir befohlen wurde. Das ist mir mehr wert als bloßesüberleben und auch eine Menge dafür zu riskieren. So lange ich noch stehen kann, gehe ich weiter.

.: Meat Loaf – I’d do anything for love :.

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