Aasgeier-Methodik

Ein gefundenes Fressen, anders kann man es wohl nicht beschreiben. Die Leichen sind noch nicht ganz kalt und schon werden sie geschlachtet und die Möglichkeit bis aufs letzte ausgeweidet. Amokläufe sind immer ein gefundes Fressen. Für Lobbies und Verbände, Zeitungen und Fernsehen und natürlich für die Politik.

Alle sind dankbar für ein neues Thema, denn die Finanzkrise nutzt sich langsam ab. Außerdem musste bei all der Diskussion um Computerspiele als Kulturgut, wieder ein Gegenbeispiel gefunden werden, sonst wären unsere Medienzecken wie Dr. Pfeiffer auf längere Sicht arbeitslos. Generell fehlt Medien und Politik wohl anscheinend das kreative Element. Sie schaffen keine Inhalte, sondern nutzen Geschehnisse wie Parasiten oder Aasfresser aus. Ob nun Dinge zur Chefsache erklärt werden oder wieder eine Reihe von Berichten auf Frontalüber Killerspiele läuft.

Während in den ersten 36h noch der Fokus auf den Opfern lag, werden diese jetzt post mortem missbraucht. Ihr Tod dient nicht dafür das in der Zukunft zu verhinden, sondern allein um Geld mit ihrem Leiden zu machen oder Wahlkampf zu treiben. So geraten die vielen Initiativen zur besseren Betreuung der Kinder und der Prävention von Amokläufen wieder aus dem Fokus der Medien. Verbieten ist immer einfacher und im Falle der Medien sind Artikel mit gedroschen Phrasen und einfachen Feindbildern, weniger aufwändig zu schreiben, als richtiger fundierter Journalismus.

Und so beginnt alles wieder von Vorne. Solange den Menschen kein Gefühl von Hoffnung und einer Zukunft gegeben wird, werden weiter viele Kinder und erwachsene Menschen in Amokläufen umkommen. Ohne Spiele, werden auch nicht weniger sterben. Der Amokläufer war psychisch krank und hat die Therapie verlassen. Selbst das wird kaum noch thematisiert. Nach Ursachen wird nicht gesucht, sondern aus ausschlachtbaren Einzelheiten. Und genau diese Dummheit der Menschen löst die Wut aus, die irgendwann unerträglich wird.

Aber wenigstens schaffen die CDU und SPD nun ein Wahlkampfprogramm zu erstellen, dass sich letztendlich einmal unterscheidet. Dafür mussten auch nur 17 Menschen sterben. Während die CDU ganz klassisch ein Killerspiele-Verbot fordert, möchte die SPD stärkere Kontrolleüber Schützenvereine. Könnte man sich auf die SPD verlassen, hätten sie wohl meine Stimme. Aber wer hilft den Opfern? Wer versuchtüber seinen Vorteil hinaus sowas in Zukunft zu verhindern?

Für mich bleibt außerdem noch eine Frage. Selbst mit den ganzen Verboten, warum laufen in Deutschland, dem Land mit der stärksten Gewaltzensur der Welt, mehr Menschen amok, als in anderen Ländern? Deswegen bin ich auch skeptisch, dass ein Verbotüberhaupt etwas bewirkt.

Ich bin jedenfalls auch für solche Darstellungen dankbar: Für mich ist Tim K. irgendwie auch Opfer.

.: Rage Against the Machine – Wake Up

1 Kommentar

  1. Dem kann man nur zustimmen..

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