Momentum

Ich wundere mich ja immer wieder, wo meine alte Kraft denn hin ist. Bei jedem Anschein von Aufregung zucke ich heute zusammen, wo ich früher einfach draufgehalten habe. Die Welt ist voller Menschen, sie quillt praktischüber. Es ist eng undüberall geraten die Interessen der Menschen aneinander. Es ist kein Konflikt zwischen Gut und Böse, sondern ein Aufeinanderprallen der Wünsche, Vorstellungen und Eigenheiten jedes Einzelnen.

Wir sind wer wir sind, wenn wir tun, was wir tun und denken, was wir denken. Dazu müssen wir nur eben etwas tun und uns nicht nur leiten lassen. Es ist was anderes zurückzustecken, wenn es nötig ist oder Kompromisse einzugehen, wenn so das Beste dabei rauskommt, als wenn man nicht denkt, sondern nur folgt und „ja“ und „amen“ sagt.

Zurück zu mir, ich gehe Problemen, Konfrontationen und Hürden in den letzten Jahren gerne aus dem Weg. Nicht, weil ich faul bin, sondern ich habe Angst durch das Gefühl nichts mehr Aushalten zu können. Früher war ich, wie oft wehmütig erwähnt, der Phönix aus der Asche. Heute habe ich nicht mehr die Kraft mich ständig wiederzuerwecken.

Wo ich früher durch Wände gebrochen bin, suche ich heute nicht mal mehr Türen, sondern drehe um. Aber wie auch schonöfter gesagt, das wird besser. Je mehr ich mache, desto mehr schaffe ich auch. Da liegt der Hund glaube ich begraben. Ich habe damals mein Momentum verloren, das ich mein Leben lang hatte. Mit dem Schwung ging immer alles, man hat mich vielleicht gebremst, aber nie gestoppt.  Seit ich mal gestoppt wurde, stehe ich und habe hier klein und erbärmlich Angst. Ich muss den Glauben an mich selbst finden, um wieder weiterzumachen und das tue ich so langsam auch.

Auch wenn die folgende Logik auf Star Trek Lyrik aufbaut (ja, oh Gott). Aber wir können nicht mit weniger aus unserem Leben gehen als wir gestartet sind. Wir Leben und wir Sterben, zwei Konstanten und was dazwischen ist, liegt hoffentlich an uns. Einen wirklichen Verlust gibt es kaum, auch wenn wir natürlich an Sachen hängen. Wir sind nicht am Leben, sobald wir geboren wurden. Wir sind tot, solange bis wir uns ein Leben geschaffen haben, ein Leben mit dem wir zufrieden sind. Wir kämpfen nicht jeden Tag, um zuüberleben, sondern auch umüberhaupt ein Leben zu haben. Egal ob Dozent an der Uni, Laborassistent, Werksarbeiter oder Codemonkey: Wir müssen etwas haben, was uns erfüllt und das muss nicht die Arbeit haben. Wir müssen etwas erkämpfen, dass uns auf dem Sterbebett sagen lässt: „Das war’s wert.“ Wo Menschen nur noch Ware oder Arbeitskraft sind und uns auf dem Papier nur noch unsere Ausfallquote unterscheidet, ist das besonders schwer und besonders wichtig.

Ich bin der Phoenix und ich bin tot. Ich kämpfe, um ein Leben zu bekommen.

.: Rise Against – Prayer of the Refugee :.

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