Ich blogge, also bin ich.

Jetzt wird es kompliziert. Das ist ein Trackback zu Blogposting von Spiegelfechterüber den Spiegelblogüber die Blogs. Wer das nicht verstanden oder trotzdem noch Interesse hat, der darf auch später auf die Links klicken.

Ich blogge, also bin ich..?  Also blogge ich, weil ich sonst nicht(s) bin? Bloggen ist für mich schon eine erweiterung des cogito ergo sum. Bloggen hilft zu reflektieren. Der Spiegel nennt deutsche Blogger „unpolitsch und rechthaberisch, selbstbezogen und unprofessionell.“ (Die Beta-Blogger, 2008) Das kann gut sein. Blogs sind und bleiben für mich online Logbücherüber ein Themengebiet und den persönlichen Kontakt damit. Historiker schreibenüber ihre herangehensweeise an Themen, Autorenüber ihre Themenfindung und Teensüber Titten. Man schreibt was im eigenen Kopf vorgeht, natürlich ist das selbstbezogen. In den meisten Fällen liegt die vorgeworfene mangelnde Professionalität auch im Kern der Sache. Hier schreiben Laien, keine Fachwissenschaftler und Journalisten. Eben deswegen sollte sich der Spiegel weniger bedroht durch Blogs (und mehr durch andere elektronische Medien) fühlen. Der Spiegel könnte durch Recherche, Qualitätskontrolle und Erfahrung ein höheres Niveau bieten als ein kleiner Blog, auch wenn er im Moment fehlschlägt.

Wenn Blogs das eigene Interesse wiederspiegeln,  dann ist es sowohl traurig als auch verständlich, dass sie unpolitisch sind. Deutsche haben sich von der Politik abgekappselt, fühlen sich machtlos. Durch das Bloggen wird man nicht automatisch zum aktiv politischen Wesen. Es wird nicht nur gebloggt, umüber Politik zu philosophieren, sondern oft umüber das tägliche Leben zu reflektieren (auch oft unbewußt). Wenn dort etwas Politisches vorkommt bin ich froh, aber wenn nicht, gibt das Zeugnisüber das Politische bewußtsein. Es ist dann nicht die Schuld der Blogs, dass sie unpolitisch sind, sondern der politischen Meinungsbildung. Das Web bietet zwar eine vielfalt an Meinungen, aber infiziert die Nutzer nicht sofort mit politischem Aktivismus.

Blogs sind immer noch etwas anderes als Nachrichtenseiten, auch wenn das Prinzipöfter verdreht wird. Wer ein großes Kapital hat und mit einer Belegschaft von einigen Leuten regelmäßig Artikelüber bestimmte Themen schreibt, verlässt für mich die Bloglandschaft und nennt sich nur noch Blogger, um in zu wirken. Deswegen sind wir vielleicht auch so machtlos, weil der Machterwerb nicht unbedingt das Hauptziel vieler Blogs ist.

Noch mal zusammenfassend: Blogs bieten ein Medium der Reflektion. Zum klar werden darüber, was man denkt und was man ist.  Man arbeitet kreativ und sieht am Ende ein Produkt seiner Mühen. Wer die Welt nicht verändern will und auch nicht ausschließlich Werbung betreibt, ist hier keineswegs falsch.

Ein Blog ist, was den Autor beschäftigt.

Berger, Jens: Beta-Journalisten und Beta-Blogger. In: Der Spiegelfechter [http://www.spiegelfechter.com/wordpress/374/beta-journalisten-und-beta-blogger]. 21.07.2008.

Brauck, Markus; Hornig, Frank; Hülsen, Isabell: Die Beta-Blogger. In: Spiegel Online [http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,567038,00.html]. 21.07.08.

Nachtrag, auch sehr schön ist:

Homann, Moritz: Morgens Aronal, Mittags Karies. In: Moritz Homann.de Blog [http://www.moritzhomann.de/2008/07/21/morgens-aronal-mittags-karies/]. 21.07.08.

Müller, Albrecht: „Der Spiegel“ spürt am eigenen Leib, was es heißt, Glaubwürdigkeit zu verlieren – auch dank der Arbeit der „Beta-Blogger“. In: Nachdenkseiten.de [http://www.nachdenkseiten.de/?p=3350]. 22.07.08.

.: MC Frontalot – Secrets of the Future :.

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