Prüfungsneurose!

So ich habe dann am Montag endlich die immer noch fehlende Politik Prüfung hinter mich gebracht und die nächste große Hürde sind dann nur noch die Abschlußprüfungen (und die Scheine bis dahin). Die Prüfung war sowohl gut als auch mies. Bei einer mündlichen Prüfung ist man natürlich etwas nervös. Trotzdem sind eben solche mündlichen Sachen schon irgendwie meine Paradedisziplin. Trotzdem bei dem Chaos was vorher passiert ist mit Prüfungstermin, Thema, Prüfern, Präsidium usw. war das eher ein Spießrutenlauf im Minenfeld.

Kurz vor der Prüfung bin ich wieder in meinen Trancezustand gefallen. Nein! Das hat nichts mit Alkohol zu tun. Früher beim Theaterspielen ist das Lampenfieber ein paar Minuten vorher erst durch Euphorie und dann durch Konzentration ersetzt worden. So ist das bei allen Dingen bei mir. Meine beiden Prüfer waren gut drauf, am Scherzen und relativ fröhlich. Ich war schon froh, dass beide da waren und einer von Ihnen die Prüfung nicht ganz vergessen hat. Der erste Teil der Prüfung gingüber die Hartz Reformen und der zweite Teilüber die Analyse des Politikbegriffs mit Hilfe von Policy, Polity und Politics und meinen Thesen (die ich vorher eingesandt habe).

Am Anfang des Hartz Teils wurde ich gefragt, ob ich den Teil noch genauer eingrenzen wollen würde. Ja wollte ich: Ich-AG, PSAn und meinetwegenäh 1-Euro-Jobs. Als Antwort darauf bekam ich:“Tja das wäre ihre Chance gewesen, es genauer einzugrenzen, aber wenn sie so allgemein bleiben wollen…“ Äh? Ok? Ich habe es schon von Arbeitsmarktpolitiküber die Hartz Reformen zu Hartz I & II und dann noch genauer die drei Instrumente eingegrenzt. Ich dachte, es wäre eng genug. Das nächste mal sage ich „Die Hartz Reformen und die damit verbundene neue Zumutbarkeit bei in einer Großfamilie lebenden, homophoben Krankenpflegern mit Vanille und Latexallergien.“ Natürlich meine ich nur die Krankenpfleger, die auch am 29. Februar Geburtstag haben und von Sex mit Hamstern träumen.

Egal! Weiter im Text. Also habe ich die Vorgeschichte der Arbeitsmarktpolitik erklärt, wie es und warum es zu den Hartz Reformen kam. Dann erklärte ich die Reformen im einzelnen. Nein – ich versuchte es. Immer wieder wurde nachgefragt und meine Aussagen auf andere Themengebieteübertragen. Das ist ja auch vollkommen in Ordnung, ich konnte nur nicht alles genau darstellen und meinem geistigen, wenn auch inzwischen stark durcheinander gebrachtem, Ablaufplan folgen.

Es lief aber ganz gut. Dann verschwor sich mein Körper gegen mich. Ich hatte die letzten Tage schon etwas Halsschmerzen und Husten. Was daran lag, dass ich Gröhlen und Headbangen zu Musik auf Flughafenlautstärke als neue Lernmethode für mich entdeckte. Das zusammen mit dem Konsum von 2 Packungen Knäckebrot am Tag, steigerte meine Lernleistung ungemein. Ehrlich. Aber meine Stimmbänder und mein Hals haben etwas gelitten. Nun jedenfalls hatte ich einen trockenen Hals und musste davon husten wie wild. Irgendwann konnte ich dann kurz gar nicht mehr reden. Ich konnte ja auch nichts trinken, weil ich a) nichts hatte und b) die Prüfung nicht unterbrechen sollte. Dadurch wurde ich dann wieder etwas nervös, eine mündliche Prüfung mit Röcheln und Stottern kommt nicht gut.

Den ersten Teil hatte ichüberlebt. Nun folgte der Politikbegriff. Alles etwas erklärt und dann folgte sofort die Frage, welchen Teil des Politikbegriffs denn Hartz ausmacht. Hartz? Hartz was? Herr Hartz? Die Hartz Kommission? Die Hartz Reformen? Die Gesetze für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt? Ja was denn nun? Gut, ich denke, dass die Hartz Reformen im politischen Prozess alle Dimensionen durchlaufen haben, weil … . Weiter kam ich nicht, da kam die Frage „Ja aber jetzt Hartz genau.“ Auch weitere Nachfragen haben uns auf keinen geistigen Grünen zweig gebracht. Themenwechsel. Policy-Cycle. Yay. Schwachpunkt. Ich war so verwirrt, dass mir ausser der Implementationsphase und der Evaluationsphase nichts mehr einfiel und das auch erst nach einigen Minuten. Thema im Arsch.

Dann kam noch eine Abschlußfrage, die mit großem Schmunzeln der Prüfung einher ging. Es wurde gefragt, ob ich es denn Prüfer B zumuten würde als italienischer Koch zu arbeiten. Grooßßesss gelache. Das lag daran, dass die beiden vor der Prüfung rumgescherzt haben, wie große Mengen Prüfer B denn an italienischem Essen verdrücken kann. Während ich versuchte rauszufinden wie ernst die Frage gemeint war, konnten sich die beiden vor guter Laune kaum noch retten. Ich habe dann kurz auf die Frage geantwortet, halb schmunzelnd und dann war auch die Zeit vorbei.

Die beiden berieten sich und ich kam dann wieder rein. Prüfung bestanden, aaabbeerr nur eine 2,7 mit großer Warnung. Ihnen hat so viel nicht gefallen, wie ich mit dem Thema umgegangen bin, dass ich am ende so unseriös war. Vor allem, ich hätte bei der Beantwortung mehr glänzen können, vor allem mit Fachwissen. Ja stimmt auch vollkommen. Aber jedes mal, wenn ich dabei war, wurde eine Zwischenfrage gestellt, die das Thema etwas wechselte. Ich kam gar nicht dazu. Das nächste mal, wenn mich jemand fragt, was Hartz ist, sage ich sowas wie: 1 Euro Job, Niedriglohnsektor, Verdränungseffekt, PSA unter Qualifiziert, Agenda2010. Das sollte reichen. Dann wurde meine fehlende Struktur bemängelt. Es stimmt, ich habe mir, im Gegensatz zu Referaten, hierbei zu wenig Gedanken um die Struktur gemacht. Andererseits weiß ich auch nicht, wie ich eine Struktur aufbauen kann, wenn ich Fragen-Slalom spielen muss.

 Dann bekam ich noch großen Ärger für meine Thesen. Sie seien zu allgemein, würden keinem Argumentationsstrang folgen und nichts belegen. Ich dachte immer Thesen belegen nichts, sondern müssen bewiesen oder widerlegt werden? Na ganz davon abgesehen, hab ich ihm, wie gewünscht, die Thesen einige Tage vorher zugeschickt, damit er sie bearbeiten und mir Antworten kann. Er wollte allgemeine Thesen, die Anhand der Politikdimensionen untersucht werden können. Jetzt sind sie zu allgemein und belegen nichts. Na gut. Ich merks mir fürs nächste mal.

 Dann gab es noch eine letzte Hürde. Mir fehlte noch ein Schein für die Prüfung. Ich hatte ihn vor Wochen fertig gemacht. Damals wurde er mir aber noch nicht gleich ausgestellt mit der Begründung, dass wir das ja genau bei der Prüfung machen können. Jetzt ist die Prüfung und… er unterschreibt den Schein. Das führt mich aber nicht weiter, da er noch gestempelt und kopiert werden muss. Stempeln, heute? Nääh. Während ich einen Blick bekomme, der aussagt „Du fauler Sack, du hättest das ruhig früher machen können.“, wurde mir gesagt, dass ich es auch einen Tag später ins Fach legen kann. Den Schein sollte ich am besten nicht in den Scheinkasten tun (aus dem sie bearbeitet werden), weil es dann schon manchmal länger dauert… und ICH bin ja heute schon zu spät.

Gut, dann musste ich am nächsten Tag um 9 Uhr (grandiose Öffnungszeiten) noch mal ins Sekretariat fahren. Dabei wollte ich meinen „Sieg“ genießen. Naja, alles was ich brauchte war ein Stempel. Also rein da. „Hallo Frau Hindenburg (Name verändert), könnte ich vielleicht ein kleines Stempelchen haben?“ Jetzt folgte verbal Heavy Metal. Die Scheine gehören in den Kasten und ich soll nicht denken, dass ich die Regeln nach meinem Gutdünken verändern kann. „Ja aber Herr Prüfer A hat gesagt, dass ich …“ Roooooaarr. Prüfer A hat nichtüber sie zu verfügen und wie sie dort arbeitet. Es ist ihre Zeit und nicht seine. Flüche.

Irgendwann habe ich dann doch den Stempel bekommen und alles ist klar. Endlich. Und jetzt mache ich das, was ich am besten kann. Zu Hause rumsitzen, nichts tun und dabei was trinken. Erholung, denn das neue Semester began gestern 😉 Auf auf heists bald wieder!

.: Queen – We will Rock you :.

5 Kommentare

  1. congrats! 😀

  2. schöner uni-alltag, immer wieder das gleiche. machtes so, wollnses so, machstes, wie sie sagen, erinnern sie sich nicht mehr daran, wenn dus tust, machstes anders, ists am thema vorbei oder zu allgemein. also ehrlich, wie war das mit studiengebühren? kunde ist könig? hrhr

  3. Oh mann,
    das erinnert stark an meine ZP in Geschichte bei Kehne.. Diese Lehrenden in ihrer Selbstherrlichkeit und Realitätsvergessenheit..
    Aber Glückwunsch, Du hast die erste Hälfte fertig 🙂

  4. Herzlichen Glückwunsch! Dann bist du ja bereit für die nächste Hausarbeit! 😉 Melde dich, falls du noch Interesse hast.

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