Prayer of a Refugee

Ich laufe zwar schwarz rum, aber gehöre nicht zur Antifa. Ich sehe viele unserer Probleme, aber leiste keinen Widerstand. Ich lerne aus unseren Fehlern, um vor ihnen warnen zu können, aber möchte keine Verantwortung. Ich bin nun mal angehender Historiker, kein Politiker, auch wenn ich beides studiere. Ich analysiere, lerne und lehre. Historiker sind die Hüter dessen, was unsere Gesellschaft zu dem gemacht hat, was sie heute ist. Dadurch nehmen wir immer eine Position am Rand ein, sind aber trotzdem immer Teil der Gesellschaft. Immerhin hat sie uns mit ihren Werten und Normen geprägt und wir nehmen jeden Tag am gesellschaftlichen Leben Teil. Wir haben im besten Fall nur eine andere Sichtweise des Ganzen.

 

Ich bin weder blind noch taub, auch nicht apathisch oder dumm. Ich sehe was vor sich geht, auch wenn ich nicht alles verstehe. Trotzdem hasse ich keine Politiker, brenne keine Botschaften nieder und verfluche keine Punks. Ich bin höchstens egozentrisch. Ich kümmere mich um mein Leben und meine Freunde. Meine Werte, meine Ziele und gebe diese weiter. Auch wenn ich der Meinung bin, dass viel zu wenig gestreikt und protestiert wird, zeige ich keinen großen Widerstand.

 

Dieser Beitrag ist wohl ein kleines Zeichen dafür, dass ich es etwas bereue mich zurück gezogen zu haben. Aber das ist nicht mein Weg. Durch Revolutionenändert sich selten etwas dauerhaft. Es muss eine Evolution geben. Eine Weiterentwicklung jedes Einzelnen, damit etwas nachhaltig und wirklich verändert wird. Eine Gewaltherrschaft der Vernunft bleibt immer noch eine Gewaltherrschaft.

 

Ich sehe, wie die Jugend ausgebeutet wird. Ob das nun durch unser Sozialsystem ist (Rente), die Wirtschaft (Generation Praktikum / Kündigungsschutz) oder die Politik selbst (Polemisierung wichtiger Themen: Pisa, Jugend Gewalt, Studiengebühren) , ist egal. Wir sind eine Ressource für Arbeit, Wahlkampf und Alten-Versorgung. Es wird nach Titeln gehascht, statt Probleme zu lösen (Ganztagsschulen / Bachelorstudiengänge / Elite Unis). Wie ich daran etwasändern kann, ist das einzige zu tun, was ich gut kann: Die Klappe nicht halten. Ich möchte etwas verändern, indem ich besseres, verantwortungsvolleres umgehen mit dem Leben selbst lehre.

 

Ich danke jedenfalls allen, die Lehren und Lernen, allen, die auf die Straße gehen, allen Rednern, Denkern und Zuhörern.

.: Rise Against – Prayer of a Refugee :.

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