Ich hasseüberstunden

Das mit der Arbeit ist so eine Sache. Man findet schlecht gute, will sie dann nicht verlieren und stören tut sie trotzdem. Unsere Politik und Wirtschaft stecken in einer Phase, in der alte Grundsätze und Verständnisse nicht mehr zu greifen scheinen. Wozu Konkurrenzkampf betreiben, wenn es gemeinsam einfacher geht? Ob Strom oder Schokolade, Kartelle sind in Mode. Die Konsumenten haben heutzutage nicht mehr die Auswahl, die sie glauben zu haben. Sehr anders ist es auch nicht bei den Arbeitsplätzen. Mit gelockertem Kündigungsschutz und dem Druck durch die Hartz IV – Ära, wird man als Arbeitnehmer extrem flexibel, was Ungerechtigkeiten angeht.

Ich steuere da auf etwas bestimmtes zu, nämlichüberstunden. Für mich sindüberstunden so etwas wie der Antichrist der Arbeitswelt. Dabei habe ich nichts dagegen mal mehr zu Arbeiten, wenn etwas liegen geblieben ist oder ein großes Projekt ansteht. Es geht auch im Allgemeinen nicht darum mehr zu Arbeiten. Es geht um die deutsche Arbeitsphilosophie und wir alsüberstundenweltmeister scheinen zumindest ein Talent fürüberstunden zu haben. Wenn man in einer Branche angestellt ist, die zwar gute Arbeit leistet, aber schlecht bezahlt wird, ist jede weitere indirekte Lohnkürzung besonders schmerzhaft.

Man wird eingestellt für 38,5 Stunden, bekommt aber schon bei der Einstellung gesagt, dass es sich real eher um 40-45 Stunden handelt.überstunden sind natürlich unvergütet und wenn man keine macht, gilt man als schlechter Arbeiter, egal wie gut die geleistet Arbeit ist. Natürlich bekommt man die Stunden angerechnet und man kann sich dafür frei nehmen. Das Problem bei der Sache ist nur folgendes: Wenn man jetzt schon zu wenig Zeit hat, um seine Arbeit zu erledigen, wie soll man sich dann frei nehmen? Und selbst wenn man sich frei nimmt, bleibt so viel Arbeit liegen, dass nach dem Urlaub noch mehrüberstunden machen muss. Normal vergüteteüberstunden wären natürlich etwas schönes, sind aber meistens utopisch. Es ist eine Firmen-Sparpolitik auf Kosten des Arbeitnehmers, da wäre es doch unvernünftig wieder Geld auszugeben. Bei knapp 8 Millionen Arbeitslosen, Hartz IV Empfängern und Menschen in Sozialmaßnahmen, könnte man auch genug neue Arbeitnehmer einstellen. Aber das kostet auch Geld und die Menschen stehen genug unter Druck, dass sie alles mit sich machen lassen (müssen?).

Im Endeffekt muss man dann sein 38,5 Stunden-Gehalt auf 45 Stunden umrechnen. Das ist wenigstens ehrlicher. So, jetzt habe ich mich genug ausgekotzt. Das Fazit wäre wohl, dassüberstunden an sich nichts Schlimmes sind. Arbeit muss erledigt werden, dafür arbeitet man ja eben. Allerdings sollte ein Arbeitsplatz so bemessen sein, dass es eben nur einer ist und nicht 1,5 oder 2. Ein Unternehmen würde auch nicht 70% seiner Zeit verschenken.

 .: Rise Against – Prayer of a Refugee :.

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