Wo sind eigentlich meine Puschen?

Workload heißt das Zauberwort der Bachelorstudiengänge. Nein, eigentlich ist es ein  allgemeines Zauberwort. Workload beschreibt die Arbeitsbelastung, also den Aufwand den man für einen Teil des Studiums betreiben muss. Der Workload beschreibt aber nur einen Teil des Alltages. Zu akademischen Belastungen kommt noch das liebe Geld, komische Freunde und nervige Familienmitglieder. All das weswegen man sich manchmal gerne in einen kleinen Turm zurückziehen will, der irgendwo auf einem hohen Berg steht und von menschenfressenden Gefahren umgeben ist. Studieren wäre nicht so kompliziert, wenn man es in Ruhe machen könnte. In Ruhe heißt in dem Fall nicht, dass es lange dauern soll, sondern einfach Ruhe. Ruhig, totenstill, wie auf dem  nächstgelegenen Friedhof um 3 Uhr Nachts. Es sei denn DarkMelancholie und Nightwish666 halten dort ein Schäferstündchen  ab. Aber sowas kommt eben auch mal vor.

So werde ich mit fortschreitendem Studium immer fetter und fauler und wenn Sophie mich nicht ab und zu mal zum Klo tragen würde, hätte ich wahrscheinlich Thrombose vom sitzen. Das bisschen Studium macht doch auch eine von der Leyen ganz nebenbei und erzieht dabei noch genug Kinder für einen eigenen Kindergarten.

Jetzt mal Butter bei die Puschen, wer es sich so einfach macht, hat entweder ein sehr enges Sichtfeld oder leidet an Wahnvorstellungen (im zweiten Fall lade ich solche Personen herzlich ein diesen Blog zu lesen, dann haben wir was gemeinsam). Der Workload ist auch subjektiv, egal er berechnet wird. Referate sind nicht gleich. Man kann sich unterschiedlich viel Mühe geben und trotzdem alle Punkte erfüllen, die man erfüllen muss. Gerade beim inflationären Gebrauch von Referaten in der Uni, fällt es oft schwer sich dafürüberhaupt Mühe zu geben. Wenn jemand, der wie ein sedierter Tagesschausprecher seine Zeilen abließt, die selbe Würdigung erhält, wie ein Vortragstalent, dann steigert das nicht gerade die Motivation. Aber heißt das, man soll nur das nötigste tun, um durchzukommen? Lernt man so etwas? Hilft das wohl für später? Ich denke nicht. Nur wenn man sich wirklich Mühe gibt, kann man sich verbessern. Darum ist mein Workload für ein Referat sehr viel höher als das mancher anderer Studenten. Dafür ist mein allgemeiner Seminarsworkload niedriger. Ich mache weniger Seminare als andere, dafür diese viel intensiver

Zurück zu meinem Turm der Ruhe, der Festung der Einsamkeit. Den bräuchte ich wirklich. Was mich ums Studium bringt, ist der private Workload. Alleine 5 Semester Gallenblasenentzündung, die mich mehr runtergerissen hat, als ein Zementschuhe beim Baden. Dazu kommt noch, dass ich viel meinen Freunden geholfen habe und ich immer Freundinnen anziehe, bei denen viel Stress aufkommt. Dazu stehen hier noch die Häuser mit ihren Mietern, die verwaltet, befriedigt,  umsorgt und manchmal ganz einfach angeschissen werden wollen. Natürlich spielt auch die Familie gerne eine große Rolle. Ob es nun die umsorgende Umarmung ist oder das Salz in der Wunde, ist reine Formsache. Meine Oma will umsorgt werden und hören, dass nur sie der einzig perfekte Mensch ist, wobei meine Mutter einfach nur Beschäftigung mit ihrem Kind will. Wobei das Kind nicht mehr nur Kind ist, sondern jetzt auch schon gut Vater sein könnte – aber nein, Gott bewahre. Ich liebe Kinder, solange es nicht meine eigenen sind. Kinder sind wie Tiger. Hübsch anzusehen, ganz lustig zum Beschäftigen, aber sperrt mich bloß nicht in ihren Käfig.

Dann fehlt jetzt wohl noch der Workload, der von mir selbst ausgeht. Also Hobbies, Interessen, Freuden und Faulheit. Ich bin Philipp und ja ich habe ein Problem. Ab und zu kommt es mir vor, als müsste ich den anonymen Hobbyisten beitreten, um von meiner Freizeitsucht kuriert zu werden. Wobei ich da in der Priorität noch knapp hinter der Pille gegen Homosexualität bin. Meine Hobbys sind Schreiben, am PC Arbeiten und am PC Spielen, Warhammer Modellbau, Sport, Kochen, Lesen und meine Freunde. Ich sehe kaum Fern, weil das zu passiv ist. Zum Modelbau und Lesen brauche ich meine Ruhe, die ich im Moment, alleine wegen der Katzen, fast nie habe. Alleine während des Schreibens dieses Eintrages haben sie 2x Geschirr umgeworfen, einen mehrere Ecken ausgeräumt, sich auf die Tastatur gesetzt und dabei schreibe ich erst 15 Minuten. In diesem Fall ist das auch keine satirische oder ironischeübertreibung. Sport braucht Zeit. Wenn ich ins Fitnessstudio fahre, dann gehen dadurch ungefähr drei Stunden drauf. Leider habe ich selten drei Stunden am Stück Zeit und werde immer fetter und fauler. Das ist sowieso mein größtes Dilemma. Ich schleppe seit langer Zeit den Gedanken mit mir rum, mit dem Fitnessstudio aufzuhören, weil ich die Zeit kaum noch aufbringe und es viel zu teuer ist. Aber andererseits ging es mir damit besser. Jetzt fühle ich mich nicht wohl in meiner Haut und wiege mit rund 79 kg fast 8 kg zu viel. Ich kann mich für keine der Möglichkeiten entscheiden. Beides ist richtig, beides macht mich aber nicht glücklich. Das Fitnessstudio bezahlen aber nicht hingehen, ist jedenfalls auch nicht sinnvoll. Bloß woher die Zeit nehmen und nicht stehlen. Ganz ehrlich, ich würde sie auch stehlen. Tue ich ja eigentlich auch schon, weil ich weniger Seminare mache.

Ganz davon abgesehen erhole ich mich immer noch von den letzten Jahren. Dem ganzen Streit und der Krankheit, und selbst wenn ich dafür vielleicht lange brauche, ich brauche die Zeit einfach. Wer darüber meckern will, sollte die Energie lieber für etwas nutzen, das weit, weit von meinem Mikrokosmos stattfindet. Ich weiß zwar noch, wo mir der Kopf steht, aber Stress kommt trotzdem auf. Es kostet Zeit alles zu ordnen, sich wieder geregelt einzuleben und alles zu erfüllen, was man möchte.

.: 36 Crazyfists – I’ll go until my Heart stops :.

7 Kommentare

  1. Wie auch immer, Beschäftigung suche ich jedenfalls nicht, wenn ich versuche Kontakt zu meinem Kind zu halten, das mittlerweile zwar erwachsen, aber immer mein Kind bleiben wird. Und bei allem deutschsprachigen Kauderwelsch habe ich noch niemand sagen hören, „mein Erwachsener“. Gottseidank.

  2. Naja mit Beschäftigung ist nicht gemein eine Beschäftigung im Sinne von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, sondern Beschäftigung wie „sich miteinander beschäftigen“. Daran ist ja nichts Schlimmes.
    Außerdem heißt das nicht, dass ich nicht dein Kind bleibe, sondern nicht mehr nur Kind bin. Praktisch ein Zweitjob 😉

  3. Das mit dem Zweitjob habe ich jetzt nicht verstanden. Ich dachte, ich hätte Dich groß gekriegt?!
    Bei der Gelegenheit, was macht Ihr am 2. Weihnachtstag? Ich hatte da letzte Woche schon mal vorsichtig angefragt.

  4. Ja Du hast mich groß gekriegt, aber ich werde immer dein Kind sein, deswegen also zwei Jobs 🙂
    Wegen Weihnachten hatte ich fast gehofft, dass wir uns wieder am 23. oder so treffen.

  5. Wär mir auch am liebsten, weil ich zu Weihnachten zu meinen Großeltern und Freunden nach Celle fahre. Da ist es bei mir ziemlich voll und nichts istätzender, alsüber die Feiertage viel in den Öffis unterwegs zu sein. 😉
    Am 22. bin ich allerdings auch schon verbucht. Passt dir der 23. Birgit? Das wäre ideal.
    Zweitjobs haben wir wohl alle oder besser Nebenjobs, wir Soziologen nennen es auch gerne Rollen. 😉

  6. Der 23. ist ein Sonntag. Von wegen Öffis und so. Zu Hause bin ich aber auf jeden Fall. Urlaub habe ich vom 18.12. bis 01.01.. Anderen Vorschlag oder festzurren? Mit Mittagessen?! Gans??

    Wenn es denn nur zwei Jobs wären! Ich „roll“ mich dann mal …. .

  7. Wie wäre dann der 30.12.? Da können wir gleich 2 Feste feiern. 😉
    Na eben, deswegen sprech ich ja von Neben- und nicht Zweitjobs.

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