Artikel von November 15th, 2007

Avalist Special II: Feindbilder

Avalist Special II: Feindbilder

Hier ist der zweite Artikel, sehr passend, da die Bahn die GDL auf 5 Mio Euro verklagen will: Feindbilder Was Menschen zusammenschweißt sind oft Feindbilder. Der Feind meines Feindes ist mein Freund ist ein altbewährter Grundsatz. Dabei sind die Gründe dafür, warum jemand/ etwas ein Feind ist, so vielfältig wie Menschen, die Feinde haben. Wobei der Begriff „Feind“ oft etwas zu hart ist. Sündenböcke, Antagonisten, Pechvögel, Randgruppen und immer wieder beliebt die Vertreter des Neuen. Das sind die vermeintlichen Teufel gegen sich die Allgemeinheit einschwören kann. Nichts hilft besserüber den Frust, die Fehler und das Grau des eigenen Alltags hinweg, als wenn man mit den Bekannten und Freunden, den Kneipenkollegen und Friseurinnenüber die aktuellen Feindbilder lästern kann. Ganz aktuell in die Topliste eingestiegen ist die Gewerkschaft Deutscher Lokführer und deren Mitglieder. Sie streiken für mehr Lohn und bessere Arbeitsverhältnisse. Dabei spielen die Forderungen und Verhältnisse eine untergeordnete Rolle. Das Wichtigste an dem Streik ist der Streik an sich. Das allein ist ein Ärgernis. Sie verursachen Komplikationen, sie brechen aus ihrer Ordnung aus und die Menschen müssen sich darauf einstellen. Selbst wenn sie einen Stundenlohn von 25 Cent hätten, wären die Deutschen, die sich darüber aufregen, jetzt genauso sauer. Es geht nicht um die Verhältnismäßigkeit der Forderungen, sondern dass sie den Widerspruch vagen. Es geht um das Streikrecht an sich. Dabei streiken Franzosen fast 30-mal so viel wie die Deutschen. Die Spanier sprengen mit dem 60-fachen der Streikdauer der Deutschen schon den Rahmen (vgl. Abb. 1). Die Wut des Volkes entlädt sich immer am Volk. Zwar lästern und schimpfen vieleüber die Politik und ihre gewählten Vertreter, aber es erinnert eher an ein gleichbleibend-monotones, politikverdrossenes Gebrabbel. Richtig aufgeregt wird sichüber die Menschen, die versuchen etwas an der Situation zuändern. Die für ihre Sache kämpfen, ihre Stimme erheben und demonstrieren. Ob gerechtfertigt oder nicht, an ihnen entlädt sich auch der geballte Frustüber die Umstände, die sie anklagen. Als könnte die GDL etwas für die extrem gestiegenen Lebenshaltungskosten, die Energiepreise oder die schon hohen Bahnpreise. „Wir haben auch kein Geld“, „Die Bahnpreise sind schon hoch genug“ – so schallt es aus der breiten Masse. Nur weil alle kein Geld haben, soll sich auch keiner beschweren? Trotzdem die Lokführer von den immer wieder gestiegenen Fahrpreisen nichts abbekommen haben, trifft ihr Streik auf Unverständnis. Wo die Wurzel dieses Verhaltens ist, kann ich nicht sagen. Ich kann nur vermuten, dass es, wie so oft, keine einzelne...

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Avalist Special: Spreu und Weizen

Hier habe mal wieder zwei Artikel für den Avalist (die Fachbereichszeitung) geschrieben. Das eine ist einüberarbeiteter Artikel des Blogs und das andere ist wieder random Ranting. Hier Nummer 1: Spreu und Weizen Als angehende Geschichtswissenschaftler lernen wir, objektiv und strukturiert zu arbeiten. Prozesse sollen gut gegliedert und wahrheitsgetreu augenscheinlich gemacht werden, damit man ihre Ursachen erkennt und versteht. Manchmal kann man diesen Anforderungen aber nicht gerecht werden. Besonders wenn man selbst betroffen ist, gerät man in Gefahr, seine Objektivität zu verlieren. Wenn ich jetztüber den Beschluss zum Rauswurf der Magisterstudenten in Niedersachsen schreibe, ist die nötige Distanz nicht vorhanden. Rauswurf klingt schon gleich negativ, aber allen Schlüsselqualifikationen und guten Manieren zum Trotz: Das ist mir verdammt egal. Vor nicht all zu langer Zeit wurden hier in Hannover die Studiengebühren eingeführt. Bildung kostet nun mal Geld und wer gebildet sein will, muss dafür bezahlen. Damit wurde die Bildung ab einem gewissen Niveau zu einer Dienstleistung und war kein Grundrecht mehr. Es wurde viel geklagt, viel debattiert und demonstriert. Aber am Ende kam es so, wie es geplant war und zu den Verwaltungsgebühren kamen die Studiengebühren. Immerhin insgesamt 780 Euro. Dafür kann man schon einiges erwarten. Vergleicht man das Studium an der Universität mit einem Studium an der Fachhochschule oder mit der Ausbildung in einem Betrieb, dann ist das klassische Studium sehr viel teurer. Beide Alternativen kosten weniger Zeit und während der Ausbildung verdient man schon Geld. Es liegt also die Erwartung nahe, dass sich der zusätzliche Aufwand auch lohnt. Es lohnt sich vor allem für diejenigen, die auf Sauerstoff verzichten können undüberfüllte Hörsäle als Fetisch haben. Manchmal erinnert das Studieren an einen relativ teuren Abenteuerspielplatz. Man muss natürlich sein Studium in Eigenverantwortung planen, aber dann auch noch Verantwortung für das Chaos innerhalb der Uni selbstübernehmen. Das kostet Zeit und Nerven und manchmal braucht es auch eine kleine Portion Glück. Daran hat sich auch mit Studiengebühren und einheitlichen Bachelorstudiengängen nichts geändert. Wobei die Bachelorstudiengänge so einheitlich sind, wie alle Menschen (und Brote), die Bernd heißen. Es ist eher noch schlimmer geworden. Besonders für die hektischeren Bachelorstudiengänge sind bürokratisches Chaos und fehlender Platz mehr als fatal. Unabhängig vom Studiengang müssen die Studenten zwar gefordert werden, aber eben auch gefördert. Wobei ich unter Anspruch im Studium eher intellektuelle Leistung sehe, als mit chaotischer Bürokratie, eventueller Platzangst und unkooperativen Dozenten fertig zu werden. Es scheint eher, als hätten viele Unis Blut geleckt, als sie...

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