Das Wissen, die Wissenschaft und Wikipedia

Ich war am Montag in einem Vortragüber Wikipedia von der Wikimedia, der im hannoverschen literarischen Salon stattfand. Ich habe nur mal meine Gedanken dazu in Worte gefasst.

Eines der Grundmerkmale von Wikipedia ist die Freiheit. Die Inhalte Wikipedias sind für jeden frei verfügbar, man kann sie kopieren, publizieren und selbst verwenden. Alternativ kann man auch an Wikipedia selbst mitarbeiten. Jeder kann Inhalte bestimmen, schaffen oder verändern. Diese Mitarbeit ist nicht nur ein Feature von Wikipedia, sondern auch Basis für ihre Existenz. Ohne diese Arbeit könnte Wikipedia nicht kostenfrei existieren und müsste wirtschaftliche Aspekte in den Vordergrund stellen.

Lassen wir mal den wirtschaftlichen Aspekt beiseite. Wie viel Freiheit hat das Wissen selbst, um sich in der freien Enzyklopädie zu entfalten. Wie schon erwähnt kann jeder Beiträge verfassen und verändern. Das ist so leicht dahin gesagt, aber ist es auch so ohne Einschränkungen möglich?

Natürlich nicht. Die Beiträge müssen ständig auf ihre Qualität, Richtigkeit und Rechtmäßigkeit geprüft werden. Diese Aufgabeübernehmen wieder Freiwillige aus Wikipedias Community. Mehr noch, diese Freiwilligen definieren auch Wikipedia selbst, indem sie Rahmenrichtlinien und Grundprinzipien schaffen.

Zu diesen Grundprinzipien gehört auch, dass neue Beiträge inzwischen eine gewisse gesellschaftliche Relevanz haben müssen. Ein neuer Beitrag muss für ein gewisses Maß an Menschen interessant sein. So wäre ein Beitragüber Literarische Salons durchaus gewünscht, aber ein Beitragüber den Literarischen Salon Hannover wahrscheinlich von einer Löschung bedroht.

Dabei stellt sich die Frage, warum Artikel, die juristisch und qualitativ einwandfrei sind,überhaupt gelöscht werden müssen. Wie der Vertreter von Wikimedia darstellte, ist Speicherkapazität gar kein Problem. Es sind die Seitenzugriffe, die Wikipedia Kosten verursachen. Bei einem Thema, das vielleicht nur wenige interessiert, würde aber wahrscheinlich nur eine kleine Serverbelastung entstehen. Wenn ein Beitrag, trotzdessen er vermeintlich unwichtig ist, viele Zugriffe verursacht, scheint er trotzdem von Interesse zu sein.

Falls man mit diesem Grundprinzip nicht einverstanden ist, kann man es theoretisch auchändern. Wikipedia ist ein freies Projekt. Jeder kann, wie schon gesagt, auch an Wikipedia selbst mitarbeiten und nicht nur am Inhalt. Wo viele Menschen sind, sind auch viele verschiedene Meinungen. Diese treffen in der Wikipedia Community aufeinander und es wird versucht, einen Konsens zu finden. Doch wie auch im Vortrag gesagt wurde, hat nicht jede Stimme das gleiche Gewicht. Menschen, die viel Zeit und Arbeit in Wikipedia investiert haben, haben mehr zu sagen als andere. Menschen, die viele Beiträge verfassen,überprüfen, Wikipedia Instand halten, haben mehr Macht und Entscheidungsgewalt. Zwar steht angeblich immer noch der Konsens im Vordergrund, um Wikipedia besser zu machen, aber es bildete sich eine Elite und was das Beste ist, wissen immer viele. Komischerweise sind sie trotzdem oft nicht einer Meinung.

Trotzdem kann man sagen, dass Wikipedia Grundzüge einer Demokratie besitzt. Die Community versucht, einen Konsens zu finden, der bestimmt, was Wikipedia ist und wie man damit arbeitet. Wer sich nicht an den Konsens hält, wird sanktioniert. Durch Arbeit an der Wikipedia bekommt das eigene Wort mehr Gewicht und man ist eher in der Lage etwas zu verändern. Das Ganze ist ständig in Bewegung, veränderbar und was daraus wird, liegt in der Hand der Mitarbeitenden.

Die Frage ist aber, wie sich Konsense auf wissenschaftliche Inhalte auswirken. Hat automatisch die Partei Recht, die mehr Entscheidungsgewalt beim Kontrollieren der Beiträge hat? Was ist mit Themen, für die es wenige Experten gibt? Wie wird Qualität oder Richtigkeit der Wikipedia verändert, indem kleine Beiträge gar nicht erst aufgenommen werden?

Genau wie bei klassischen Nachschlagewerken muss man die Intention des Verfassers in Frage stellen. Die Unterschiede von evangelischen und katholischen Nachschlagewerken sind oft gravierend. Es ist wahrscheinlich, dass je nach Zusammensetzung der Elite eine leichte Färbung hinterlassen wird.

Wikipedia ist ein Massenphänomen geworden. Es hat Auswirkungen auf das Geschichtsverständnis der Menschen und auch ihren Umgang mit der Geschichte. Wenige Menschen haben einen Brockhaus zu Hause und noch weniger ein Lexikon des Mittelalters. Im Gegensatz dazu ist Wikipedia für viele Menschen bequem zu erreichen. Außerdem beeinflusst Wikipedia die Menschen nicht nur, sondern man kann durch die Beiträge auch feststellen, was Menschen wissen, denken und für richtig halten.

Ob nun durch Wikipedia oder andere Angebote, das Internet wird für die Geschichtswissenschaft immer wichtiger. Nicht alleine aus Gründen, die die Forschung betreffen, sondern auch wegen des Sinns und der Darstellung der Geschichtswissenschaft in der Öffentlichkeit.

.: Mc Frontalot – Secrets of the Future :.

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