Artikel von November, 2007

Wo sind eigentlich meine Puschen?

Workload heißt das Zauberwort der Bachelorstudiengänge. Nein, eigentlich ist es ein  allgemeines Zauberwort. Workload beschreibt die Arbeitsbelastung, also den Aufwand den man für einen Teil des Studiums betreiben muss. Der Workload beschreibt aber nur einen Teil des Alltages. Zu akademischen Belastungen kommt noch das liebe Geld, komische Freunde und nervige Familienmitglieder. All das weswegen man sich manchmal gerne in einen kleinen Turm zurückziehen will, der irgendwo auf einem hohen Berg steht und von menschenfressenden Gefahren umgeben ist. Studieren wäre nicht so kompliziert, wenn man es in Ruhe machen könnte. In Ruhe heißt in dem Fall nicht, dass es lange dauern soll, sondern einfach Ruhe. Ruhig, totenstill, wie auf dem  nächstgelegenen Friedhof um 3 Uhr Nachts. Es sei denn DarkMelancholie und Nightwish666 halten dort ein Schäferstündchen  ab. Aber sowas kommt eben auch mal vor. So werde ich mit fortschreitendem Studium immer fetter und fauler und wenn Sophie mich nicht ab und zu mal zum Klo tragen würde, hätte ich wahrscheinlich Thrombose vom sitzen. Das bisschen Studium macht doch auch eine von der Leyen ganz nebenbei und erzieht dabei noch genug Kinder für einen eigenen Kindergarten. Jetzt mal Butter bei die Puschen, wer es sich so einfach macht, hat entweder ein sehr enges Sichtfeld oder leidet an Wahnvorstellungen (im zweiten Fall lade ich solche Personen herzlich ein diesen Blog zu lesen, dann haben wir was gemeinsam). Der Workload ist auch subjektiv, egal er berechnet wird. Referate sind nicht gleich. Man kann sich unterschiedlich viel Mühe geben und trotzdem alle Punkte erfüllen, die man erfüllen muss. Gerade beim inflationären Gebrauch von Referaten in der Uni, fällt es oft schwer sich dafürüberhaupt Mühe zu geben. Wenn jemand, der wie ein sedierter Tagesschausprecher seine Zeilen abließt, die selbe Würdigung erhält, wie ein Vortragstalent, dann steigert das nicht gerade die Motivation. Aber heißt das, man soll nur das nötigste tun, um durchzukommen? Lernt man so etwas? Hilft das wohl für später? Ich denke nicht. Nur wenn man sich wirklich Mühe gibt, kann man sich verbessern. Darum ist mein Workload für ein Referat sehr viel höher als das mancher anderer Studenten. Dafür ist mein allgemeiner Seminarsworkload niedriger. Ich mache weniger Seminare als andere, dafür diese viel intensiver Zurück zu meinem Turm der Ruhe, der Festung der Einsamkeit. Den bräuchte ich wirklich. Was mich ums Studium bringt, ist der private Workload. Alleine 5 Semester Gallenblasenentzündung, die mich mehr runtergerissen hat, als ein Zementschuhe beim Baden. Dazu kommt...

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Avalist Special II: Feindbilder

Avalist Special II: Feindbilder

Hier ist der zweite Artikel, sehr passend, da die Bahn die GDL auf 5 Mio Euro verklagen will: Feindbilder Was Menschen zusammenschweißt sind oft Feindbilder. Der Feind meines Feindes ist mein Freund ist ein altbewährter Grundsatz. Dabei sind die Gründe dafür, warum jemand/ etwas ein Feind ist, so vielfältig wie Menschen, die Feinde haben. Wobei der Begriff „Feind“ oft etwas zu hart ist. Sündenböcke, Antagonisten, Pechvögel, Randgruppen und immer wieder beliebt die Vertreter des Neuen. Das sind die vermeintlichen Teufel gegen sich die Allgemeinheit einschwören kann. Nichts hilft besserüber den Frust, die Fehler und das Grau des eigenen Alltags hinweg, als wenn man mit den Bekannten und Freunden, den Kneipenkollegen und Friseurinnenüber die aktuellen Feindbilder lästern kann. Ganz aktuell in die Topliste eingestiegen ist die Gewerkschaft Deutscher Lokführer und deren Mitglieder. Sie streiken für mehr Lohn und bessere Arbeitsverhältnisse. Dabei spielen die Forderungen und Verhältnisse eine untergeordnete Rolle. Das Wichtigste an dem Streik ist der Streik an sich. Das allein ist ein Ärgernis. Sie verursachen Komplikationen, sie brechen aus ihrer Ordnung aus und die Menschen müssen sich darauf einstellen. Selbst wenn sie einen Stundenlohn von 25 Cent hätten, wären die Deutschen, die sich darüber aufregen, jetzt genauso sauer. Es geht nicht um die Verhältnismäßigkeit der Forderungen, sondern dass sie den Widerspruch vagen. Es geht um das Streikrecht an sich. Dabei streiken Franzosen fast 30-mal so viel wie die Deutschen. Die Spanier sprengen mit dem 60-fachen der Streikdauer der Deutschen schon den Rahmen (vgl. Abb. 1). Die Wut des Volkes entlädt sich immer am Volk. Zwar lästern und schimpfen vieleüber die Politik und ihre gewählten Vertreter, aber es erinnert eher an ein gleichbleibend-monotones, politikverdrossenes Gebrabbel. Richtig aufgeregt wird sichüber die Menschen, die versuchen etwas an der Situation zuändern. Die für ihre Sache kämpfen, ihre Stimme erheben und demonstrieren. Ob gerechtfertigt oder nicht, an ihnen entlädt sich auch der geballte Frustüber die Umstände, die sie anklagen. Als könnte die GDL etwas für die extrem gestiegenen Lebenshaltungskosten, die Energiepreise oder die schon hohen Bahnpreise. „Wir haben auch kein Geld“, „Die Bahnpreise sind schon hoch genug“ – so schallt es aus der breiten Masse. Nur weil alle kein Geld haben, soll sich auch keiner beschweren? Trotzdem die Lokführer von den immer wieder gestiegenen Fahrpreisen nichts abbekommen haben, trifft ihr Streik auf Unverständnis. Wo die Wurzel dieses Verhaltens ist, kann ich nicht sagen. Ich kann nur vermuten, dass es, wie so oft, keine einzelne...

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Avalist Special: Spreu und Weizen

Hier habe mal wieder zwei Artikel für den Avalist (die Fachbereichszeitung) geschrieben. Das eine ist einüberarbeiteter Artikel des Blogs und das andere ist wieder random Ranting. Hier Nummer 1: Spreu und Weizen Als angehende Geschichtswissenschaftler lernen wir, objektiv und strukturiert zu arbeiten. Prozesse sollen gut gegliedert und wahrheitsgetreu augenscheinlich gemacht werden, damit man ihre Ursachen erkennt und versteht. Manchmal kann man diesen Anforderungen aber nicht gerecht werden. Besonders wenn man selbst betroffen ist, gerät man in Gefahr, seine Objektivität zu verlieren. Wenn ich jetztüber den Beschluss zum Rauswurf der Magisterstudenten in Niedersachsen schreibe, ist die nötige Distanz nicht vorhanden. Rauswurf klingt schon gleich negativ, aber allen Schlüsselqualifikationen und guten Manieren zum Trotz: Das ist mir verdammt egal. Vor nicht all zu langer Zeit wurden hier in Hannover die Studiengebühren eingeführt. Bildung kostet nun mal Geld und wer gebildet sein will, muss dafür bezahlen. Damit wurde die Bildung ab einem gewissen Niveau zu einer Dienstleistung und war kein Grundrecht mehr. Es wurde viel geklagt, viel debattiert und demonstriert. Aber am Ende kam es so, wie es geplant war und zu den Verwaltungsgebühren kamen die Studiengebühren. Immerhin insgesamt 780 Euro. Dafür kann man schon einiges erwarten. Vergleicht man das Studium an der Universität mit einem Studium an der Fachhochschule oder mit der Ausbildung in einem Betrieb, dann ist das klassische Studium sehr viel teurer. Beide Alternativen kosten weniger Zeit und während der Ausbildung verdient man schon Geld. Es liegt also die Erwartung nahe, dass sich der zusätzliche Aufwand auch lohnt. Es lohnt sich vor allem für diejenigen, die auf Sauerstoff verzichten können undüberfüllte Hörsäle als Fetisch haben. Manchmal erinnert das Studieren an einen relativ teuren Abenteuerspielplatz. Man muss natürlich sein Studium in Eigenverantwortung planen, aber dann auch noch Verantwortung für das Chaos innerhalb der Uni selbstübernehmen. Das kostet Zeit und Nerven und manchmal braucht es auch eine kleine Portion Glück. Daran hat sich auch mit Studiengebühren und einheitlichen Bachelorstudiengängen nichts geändert. Wobei die Bachelorstudiengänge so einheitlich sind, wie alle Menschen (und Brote), die Bernd heißen. Es ist eher noch schlimmer geworden. Besonders für die hektischeren Bachelorstudiengänge sind bürokratisches Chaos und fehlender Platz mehr als fatal. Unabhängig vom Studiengang müssen die Studenten zwar gefordert werden, aber eben auch gefördert. Wobei ich unter Anspruch im Studium eher intellektuelle Leistung sehe, als mit chaotischer Bürokratie, eventueller Platzangst und unkooperativen Dozenten fertig zu werden. Es scheint eher, als hätten viele Unis Blut geleckt, als sie...

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Hellgate: Langeweile

Zeit ist kostbar, besonders wenn man viel zu tun hat. Da zum Beispiel ein Seminar bei mir noch nicht statt findet, habe ich sogar etwas Zeit. Die wird teilweise, wie immer, mit PC Spielen verbracht. Deshalb folgt auch nur eine kleine Information. The Witcher ist ein wunderbares Erstlingswerk von CDProjekt, das als klassisches Rollenspiel eine Geschichte für Erwachsene erzählt. Der Fokus des Spiels liegt auf den Entscheidungen des Spielers, die die Story sehr verändern. Als negativ Punkt wäre das im Nahkampf verbuggte Pathfinding zu erwähnen, dass ab und zu für Tode sorgt. Dazu kommt noch, dass sich CDProjekt extrem viel Mühe bei der Atmosphäre gegeben hat, diese aber an manchen Stellen fehlt. Aber das sind kleine Makel, unterm Strich bleibt The Witcher das beste Rollenspiel seit vielen Jahren. Dann habe ich mir noch vor ein paar Tagen Hellgate: London ausversehen gekauft. Ja man kann Spiele ausversehen kaufen, die Geschichte ist mir aber gerade zu peinlich 😛 Keine Sorge, ich wurde schon mit 47€ bestraft, ich hab was draus gelernt. Hellgate: London zeigt sich monoton und verbuggt. Während The Witcher tadellos läuft, auch wenn man von einem kleinen Entwicklerstudio durchaus etwas anderes hätte erwarten können, crashed Hellgateöfter als man verkraften kann. Zwar finde ich die Endzeit-Level sehr stimmungsvoll, aber durchöde Killquests, eine Story, die sich auf „oh du bist deeeeer Held“ – Dialoge beschränkt und einen schlecht implementierten Multiplayermodus, kommt eine schreckliche Monotonie auf. Der Spielspaß leidet darunter, wie das Stadtbild Londons unter der Apokalypse. The Witcher bei Amazon Hellgate bei Amazon Hellgate Review bei Gamespy .: Disturbed – Sons of Plunder...

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Das Wissen, die Wissenschaft und Wikipedia

Ich war am Montag in einem Vortragüber Wikipedia von der Wikimedia, der im hannoverschen literarischen Salon stattfand. Ich habe nur mal meine Gedanken dazu in Worte gefasst. Eines der Grundmerkmale von Wikipedia ist die Freiheit. Die Inhalte Wikipedias sind für jeden frei verfügbar, man kann sie kopieren, publizieren und selbst verwenden. Alternativ kann man auch an Wikipedia selbst mitarbeiten. Jeder kann Inhalte bestimmen, schaffen oder verändern. Diese Mitarbeit ist nicht nur ein Feature von Wikipedia, sondern auch Basis für ihre Existenz. Ohne diese Arbeit könnte Wikipedia nicht kostenfrei existieren und müsste wirtschaftliche Aspekte in den Vordergrund stellen. Lassen wir mal den wirtschaftlichen Aspekt beiseite. Wie viel Freiheit hat das Wissen selbst, um sich in der freien Enzyklopädie zu entfalten. Wie schon erwähnt kann jeder Beiträge verfassen und verändern. Das ist so leicht dahin gesagt, aber ist es auch so ohne Einschränkungen möglich? Natürlich nicht. Die Beiträge müssen ständig auf ihre Qualität, Richtigkeit und Rechtmäßigkeit geprüft werden. Diese Aufgabeübernehmen wieder Freiwillige aus Wikipedias Community. Mehr noch, diese Freiwilligen definieren auch Wikipedia selbst, indem sie Rahmenrichtlinien und Grundprinzipien schaffen. Zu diesen Grundprinzipien gehört auch, dass neue Beiträge inzwischen eine gewisse gesellschaftliche Relevanz haben müssen. Ein neuer Beitrag muss für ein gewisses Maß an Menschen interessant sein. So wäre ein Beitragüber Literarische Salons durchaus gewünscht, aber ein Beitragüber den Literarischen Salon Hannover wahrscheinlich von einer Löschung bedroht. Dabei stellt sich die Frage, warum Artikel, die juristisch und qualitativ einwandfrei sind,überhaupt gelöscht werden müssen. Wie der Vertreter von Wikimedia darstellte, ist Speicherkapazität gar kein Problem. Es sind die Seitenzugriffe, die Wikipedia Kosten verursachen. Bei einem Thema, das vielleicht nur wenige interessiert, würde aber wahrscheinlich nur eine kleine Serverbelastung entstehen. Wenn ein Beitrag, trotzdessen er vermeintlich unwichtig ist, viele Zugriffe verursacht, scheint er trotzdem von Interesse zu sein. Falls man mit diesem Grundprinzip nicht einverstanden ist, kann man es theoretisch auchändern. Wikipedia ist ein freies Projekt. Jeder kann, wie schon gesagt, auch an Wikipedia selbst mitarbeiten und nicht nur am Inhalt. Wo viele Menschen sind, sind auch viele verschiedene Meinungen. Diese treffen in der Wikipedia Community aufeinander und es wird versucht, einen Konsens zu finden. Doch wie auch im Vortrag gesagt wurde, hat nicht jede Stimme das gleiche Gewicht. Menschen, die viel Zeit und Arbeit in Wikipedia investiert haben, haben mehr zu sagen als andere. Menschen, die viele Beiträge verfassen,überprüfen, Wikipedia Instand halten, haben mehr Macht und Entscheidungsgewalt. Zwar steht angeblich immer noch der...

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