Der Antichrist

Manchmal bin ich froh, dass ich in Deutschland lebe. Wenn man nicht gerade durch Pech in eine Situation gerät, in der man vom Staat gefördert wird, hat man es hier eigentlich ganz gut. Es gibt klare Regeln und Richtlinien. Das denken wird jedem, wenn man will, abgenommen und man wird auch vor sich selbst beschützt. Wo Spielzeugwaffen verboten werden sollen, damit Verbrecher nicht verletzt werden, da man denkt, sie zielen mit einer echten Waffe auf einen Polizisten, anstatt es der natürlichen Auslese zuüberlassen. Dort ist es auch nicht ungewöhnlich, dass Computerspiele mit Waffen, zum Erzfeind einer Nation voller Actionfilme und Schützenvereine werden. Der Terrorismus wird jetzt mit moderner Spyware bekämpft. In Behörden Emails versteckt sollen Trojaner die bösen Bubenüberwachen. Allerdings kann ich mir vorstellen, dass das auch klappt. Es klicken bestimmt ein, zwei Taliban auf die Benachrichtigungüber ihre versäumte Steuererklärung, während sie das einheimische Äquivalent für „WTF?! LOL!“ brüllen. Also, wie eben erwiesen, ist der Terrorismus im Moment keine Gefahr mehr, wenn er dasüberhaupt je in dem Ausmaß war.

Nein die Gefahr ist im Inneren. Diese kleinen verkommenen Randerscheinungen der Gesellschaft. Die atheistischen, rebellischen Heranwachsenden, die sich aus irgendeinem Grund weder mit der Nation, noch mit ihrer Führung identifizieren können. Man hat entweder die Wahl, seine Zeit mit Komasaufen und Titten zu verbringen oder mit Videospielen. Als Randerscheinungen gibt es noch die, die entweder eine gesunde Mischung aus beidem hinbekommen oder die, die früher in der Adolf-Jugend (der Name wurde aus Gründen der Zensur und Angst davor, sich mit der eigenen Vergangenheit auseinanderzusetzen, unkenntlich gemacht.) ein gutes Führungsbeispiel gewesen wären.

Um diese kleinen Musterbürger zu formen, haben wir ihnen erst den Blick für die Vergangenheit genommen. Leise wird spätestens in der 5. Klasseüber einen durchgedrehten Österreicher und ein 14.000 Jahre altes Symbol gemunkelt, fast so als würde Harry Potter das V-Wort sagen. Frei nach dem Motto „Forsche nicht, sondern Glaube“ wird eine allgemein gültige Version der Geschehnisse dargeboten und in dem Unterricht so lange wiederholt, bis sie sich eingebrannt hat. Eine eigene Meinung, vorallem wenn sie abweicht, ist dabei zweitrangig. Was bei mir aus der Unterreichtszeit hängen geblieben ist, ist dass der H-Mann seine Macht vorallem auf der Untätigkeit und der fehlenden eigenen Meinung der Menschen aufbauen konnte. Wobei uns heute beigebracht wird, eine eigene Meinung zu haben und was diese zu beinhalten hat. Sind wir vor dieser Art Strömung natürlich völlig sicher.

Alkohol ist nicht grundsätzlich böse, es ist ja auch keine Droge wie das böse Marihuana. Nein – ohne Alkohol wären wir nicht die, die wir heute sind. Das Böse am Alkohol sind die Bars und Clubs, die ihn Literweise zu geringem Preis ausschenken. Man kann praktisch gar nichts dagegen tun sich „tot zu saufen“. Die Eigenverantwortung wurde ja eben zusammen mit der Jacke an der Garderobe abgegeben. Gut, dass uns der Staat vor soetwas auch beschützen will. Was sollten wir auch ohne ihn tun. Die Schuld selbst tragen? Aus Fehlern lernen? Zu selbständigen Bürgern erzogen werden? Nein folgen ist einfacher als Führen und selbst wenn man nur sich selbst führt.

Aber eine Sache bekommt man nicht unter Kontrolle oder eher eine Gruppe von Dingen. Internet, Computer, Computer Spiele. Der Antichrist ist anscheinend ein Microprozessor. Die elektronische Welt ist voller Gewalt, Sex und verwirrenden Meinungen. Als erste, wirkliche Wurzel allenübels sind die Spiele zu betrachten. Es geht in den Killerspielen ja nur um Gewalt und das Ausleben dieser. Auch wenn ich da anderer Meinung bin, da ich denke, dass ein Bruchteil der Spiele und Spieler wirklich Gewalt als einen Fetisch hat, macht das zur Zeit keinen Unterschied für die Politik. Während im Fernsehen, spätestens ab 18:00 Uhr der eine oder der andere erschossen wird und man ab 20:15 aus diversen Leichenteilen einen Erwachsenen basteln könnte, darf das am PC nicht sein. Immerhin scheinen virtuelle Medien ja Tötungstriebe zu erschaffen, während Film und Fernsehen diese nur vortäuscht. Das klingt ungefähr so logisch, wie die neuste Therapie gegen Homosexualität.

Während Achmedinejad behauptet, dass es in seinem Land keine Homosexuellen gibt, schaue ich sehr verwundert auf die neusten Spiele Release Listen. Bioshock ab 18 und zensiert, Hellgate: London ab 18 und zensiert, Team Fortress 2 ab und zensiert, The Witcher ab 18, Crysis ab 18 und zensiert. Das sind nur die Spiele, die im 8 Wochen Zeitraum erscheinen. Dabei fallen Branchenkundigen vorallem zwei Dinge auf. Erstens werden nicht nur Klassische Killerspiele aufs Korn genommen. Wie auch? Der Begriff Killerspiele ist nicht definiert. Er ist eine graue, formbare Masse im Jugendschutzgesetzt. Da zeigt sich aber die Raffinesse des Ganzen. Er ist nicht aus mangelnder Intelligenz nicht definiert sondern damit man ihn je nach Situation interpretieren kann. Erst waren vorallem Shooter Killerspiele und jetzt auch schon Rollenspiele und Spiele im Comic Stil? Das Ausmaß der realistischen Tötungsgrafik von Team Fortress 2, kann man z.B. hier auf Gamestar.de sehen >BILD<. Natürlich gehören Spiele mit Gewalt nicht in die Hände von Kindern und denen, die damit nicht umgehen können, aber muss so etwas für Volljährig noch entschärft werden? Kein Land hat so eine scharfe Zensurpolitik (was Gewalt in Spielen angeht) wie wir. Der Intelligenz scheint das jedenfalls nicht zu schaden oder warum sind so viele OECD Länder beim Bildungstest vor uns?

Der Grund warum vor Allem das Internet und die Spiele so gefährlich sind ist, dass beides nicht verboten werden kann. Es kann zwar entschärft werden, aber der Inhalt solcher Spiele bleibt gleich. Das Internet istüberfüllt mit Informationen. Wenn man etwas sucht, wird man es finden. Vergewaltigungsbilder, Bombenbastelanleitungen, Kinderpornos – was das Herz begehrt. Mit einem Verbot kommt man nicht weiter und das Internet wird man selbst in Deutschland nicht wieder abschaffen (in Bayern vielleicht). Verbote resultieren aus dem Wissen darüber, dass man jemandem nicht zutraut mit der Sache umzugehen. Theoretisch wäre doch nichts dabei, wenn wir alle Waffen hätten. Mehr noch, jeder dürfte eine Atombombe haben. Wenn wir sicher wären, dass niemand etwas damit anrichtet, verliert der Gegenstand seine Gefährlichkeit. Er verliert natürlich nicht sein Potential aber ein Auto ist auch nur so schnell, wie sein Fahrer es zulässt. Eben darum sollten wir fragen, warum fährt man so schnell? Was ist mit dem Menschen falsch, der Kinderpornos braucht. Warum möchte die Schülerin ihre Schule sprengen und ihre Lehrer bluten sehen? Die Menschen sind schon Amok gelaufen vor Computern, sogar vor Schützenvereinen. Also ist das wohl kaum die Wurzel und kann die Krankheit auch nicht kurieren.

Was ich nach all dem Text und der, mal wieder, fehlenden Struktur damit sagen will ist, dass wir das gleiche Problem haben, wie vor dem Dritten Reich, vor dem 1. Weltkrieg und vor allem Neuen: Wir können nicht damit umgehen. All die Verbote und Regeln fördern nicht unsere Selbstverantwortung. Jeder Mensch muss für sich Verantwortungübernehmen und seine Entscheidungen selbst treffen. Man muss dazu fähig sein mit 16 Jahren ein Spiel zu spielen und danach zu sehen, dass man sich trotzdem noch in der Realität befindet. Man ist weder Rambo, noch der Terminator und hoffentlich auch nicht Hannibal Lektor. Durch Verbote erreicht man aber meistens nur das Gegenteil. Werden zu viele Fragen mit „Das ist einfach so“ beantwortet, sind sogar Grundschulkinder unbefriedigt. Warum sollte es dann bei Jugendlichen besser aussehen? Statt Erfahrung sammelt sich eine Leere an. Diese Leere füllt sich irgendwann mit allem Interessanten und macht empfänglich für extreme Ideen. Man bildet eben keine starke Persönlichkeit auf einem „Mach das so! Das ist einfach so!“, genauso wie es in unserem Deutschland kaum noch blind-glaubende Christen gibt.

Das uns eben nicht zugetraut wird,über solche Dinge zu entscheiden, sieht man ja eben an der Flut von Verboten. Ich frage mich, wann Krankheiten verboten werden, immerhin sind Viren auch kleine Anarchisten. Andererseits kommt es mir so vor, als wäre eine eigene Meinungüber dem Mindestmaß, auch eine Krankheit.

.: Jamiroquai – Virtual Insanity :.

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