Hexenjagd

Hexe! Hexe! So hallen noch die Rufe der „Hart aber Fair“-Diskutanten in meinem Gedächtnis nach. Ich bin nur einer von vielen, die sich in den letzten Jahren, wieder verstärkt in den letzten Tagen, für ihre Lebensweise verantworten müssen. Das fällt mir komischerweise leichter als sonst, vielleicht weil ich als kleine Erinnerung letzte Woche den Bruchteil einer Sekunde klinisch tot war und das mehr oder weniger Freiwillig (Gallen-OP). Internetnutzer, rechnergestütze Spieler und Schwarzträger sind wieder im Rampenlicht.

Es geht natürlich um den Amoklauf des Schülers Sebastian/ ResistantX in Emsdetten. Ich kann seine Tat nicht gut heißen, aber was ich von ihm sehe und lese läßt mich verstehen warum es soweit gekommen ist. Ich kann nachvollziehen wie ein Mensch ohne Hoffnung, voller Schmerz nur noch Rache spüren kann bis er unter diesem Druck bricht. Dieser Punkt X, wie er es beschreibt ist nun seit ein paar Tagen vergangen. Mich macht es traurig, daß solchen Menschen keine Perspektive geboten wird. Mich macht es wütend, daß unter vorgespielter Professionalität alte Lösungen als besser verkauft werden.

Es wird wieder der alte Topos vom dunklen, introvertierten Mantelträger vermittelt, der seine elektronische Welt sowohl als Trainingsplatz als auch als Fluchtort genutzt hat. Diese Spiele verschlimmerten seine Probleme nicht nur, sondern verursachten diese auch zum großen Teil.

Die Diskussionsrunde in „Hart aber Fair“ war ein kunterbunter Haufen. So kunterbunt wie die Farbtöne von Sand bis Muschel. Schon der Eingangskommentar des teilnehmenden Lehrers, er habe einen Schüler, der Kleidungstechnisch ins Muster paßt, stellte klar dar, woran man Amokläufer erkennt. Musik, Kleidung, Hobbys. Der Plage der gewaltbereiten Jugendlichen kann man natürlich nur Herr werden, wenn man eben gefährliche Musik, Kleidung und Hobbys verbietet. Zum ersten mal seit bestehen dieser Diskussion wurde eine Art einsichtige Vernunft vorgetäuscht, indem immer wieder betont wurde, wie unzureichend und einfältig es doch sei, etwas einfach zu verbieten. Leider sind alle Ersatzmethoden erst langfristig wirksam, kompliziert und wahrscheinlich auch haushaltstechnisch unbequem.

Nur stellt sich dann die Frage: „Wer entscheidet was vaterlandstauglich ist?“ Die beiden Diskutanten, sowohl der Tatort Schauspieler Josef Bausch-Hölterhoff als auch der diskussionsignorante Aggressionstherapeut Dr. Michael Heilemann, scheinen mir keine gute Wahl. Ich hoffe auch nicht, daß jemand des „Hart aber Fair“ – Teams den Job bekommt. In einer MAZüber gewalttätige Spiele das Paradebeispiel Counterstrike dargestellt wie eine Splatterszene aus SAW II, in der manüber die zerfetzten Leichen seiner Feinde steigen kann. Schade nur, daß es darum weder in Counterstrike geht noch, daß man dort jemanden zerfetzen kann. Eben dieses verzerrte Bild, das durch Politik und Medien immer weiter verschärft wird ist die eigentliche Gefahr. Die Verdummung der Menschen und die selektive Ignoranz. Eben führte ich den Film SAW II als Beispiel an, während die Diskutierendenüber „Gewaltvideos im Internet“ redeten. Warum sind Videos im Internet schlimmer als das Texas Kettensägen Massaker aus der Videothek? Vielleichtübt das Internet einen verderbenden Einfluß auf mich aus, den ich nicht bemerke. Vielleicht ist es aber auch dieselbe Propaganda für die Millionen Juden und Heiden ermordet wurden.

Um eine Antwort auf diese Frage zu bekommen, schrieb ich ans Team von „Hart aber Fair“, wurde aber in der Sendung leider nicht zitiert.

Sehr geehrtes Hart aber Fair Team,

ich wollte mich auch zur aktuellen Sendung zu Wort melden. Aufgrund Ihrer Diskussionszusammenstellung wollte ich an ihre Runde die folgende Frage stellen: „Wenn unsere Gesellschaft keine Actionspiele braucht, wozu dann Krimis wie Tatort“?

Mit freundlichen Grüßen

Philipp „Phoenix“ Nordmeyer

24 Jahre alt, Hannover, Student

Diese Frage kommt natürlich auf, wenn die Widerwertigkeit und Perversion dieser Spiele immer wieder betont wird.

Eben weil keine gesellschaftliche Notwendigkeit für Internet und Spiele besteht, wird ein Rückschritt von der Technisierung gefordert. Deswegen sprachen sich auch alle Beteiligten positiv für einen Internet freien Tag aus. „The german angst“ wird unser internationales Markenzeichen. Statt zu verstehen und zu lehren mit Problemen und dem Leben umzugehen, wird alles verboten und ignoriert. „The german angst“ unser Weg ins 21. Jahrhundert aus dem sich schon im 20. immerhin eine stabile Diktatur entwickelt hat. „The german angst“ unser Verhaltensmuster der Vergangenheit, jetzt für die Zukunft. Jeder der dieser Angst nicht folgt, wird ausgegrenzt, als Außenseiter dargestellt und verteufelt. Jeder der nicht in der Woche bei VW arbeitet und am Wochenende in der Disco ein cooler Junge ist (Def. ist eigentum vn Dr. Heilemann), ist heutzutage deplaziert. Wissen muß und soll kontrolliert werden, anstatt den Umgang zu lehren. Wir lernen keine soziale Verantwortung mehr, und wir können nur hoffen, daß uns nicht irgendwann die Sündenböcke ausgehen.

Dann müßten wir zwangsweise die soziale Verantwortungübernehmen und welcher Deutsche kann das noch?

Sowohl Verbotsvorschläge als auch Strafmaßideen für Zuwiderhandlung gegen ein Verbot für Killerspiele werden schon gefunden. Bayerns Innenminister Beck schwebt eine Strafe im Maße eines Kinderpornographievergehens vor. Das wären dann 2 Jahre für das zerstören einer menschlichen Seele sowohl durch virtuelle Gewalt als auch durch erzwungenen Sex. Gut, wenn ich wirklich gefährlich werden will, dann werde ich Raubkopierer. Die kriegen 5 Jahre.

.: Rise Against – Life less frightning :.

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