Krankenhaushorror

Jetzt sind inzwischen fast 48 Stunden vergangen und der Arzt war auch irgendwann da. Die Betonung liegt auf „irgendwann“. Wenigstens war er freundlich, genau wie der Anästhesist, der später kam, und sich eine Menge Zeit nahm.

Leider wurden die Schwestern immer unfreundlicher bis auf eine relativ nette Semi-Goth-Tittenmaus, die sich auch gerade für meinen Laptop interessiert und den Satz zum Glück nicht gelesen hat. Inzwischen bin ich sogar operiert, aber zu dem Punkt kommen wir später.

Wir waren stehen geblieben bei der Krankenhaushungersnot, die sich bald in Krankenhaushorror umwandeln sollte. Der Arzt erlaubte mir im Laufe des Tages: „Alles außer ein gegrilltes Steak.“ In freudiger Erwartung, begrüßte ich eine, der langsam freundlickeitsdegenerierten Schwestern, und sie brachte mir Zwieback. Irgendeine Sicherung in mir war gerade am rausspringen, als sie mir dann sagte, daß ich auf einmal keinen Hagebuttentee mehr haben könne, weil der zu schlecht für mich ist. Komischerweise habe ich den Tee, den ganzen vorherigen Tag, getrunken. Nachdem ich mich etwas energisch darüber wortentleert habe, daß hier keine Schwester weiß was die andere tut und jede ihre eigenen Regeln aufstellt, wobei man sich vorkommt, wie mit einem multipersonalen Alzheimerpatienten.

Aber wäre nicht fair alleüber einen Kamm zu scheren, weil einige der Schwestern wirklich nett und bemüht sind. Wie die, die mir gerade gesagt hat, daß ich Blähungen in der Schulter habe. Ja ihr hört richtig. Gestern wurde ich für die OP in ein künstliches Koma versetzt. Ich wurde künstlich beatmet und mein Bauch wurde mit Luft ausgepumpt. Diese Luft verursacht jetzt nicht nur Schmerzen im Bauchraum, sondern zieht sich auchüber den Rücken bis in die Schultern. Darum habe ich jetzt Tabletten gegen Blähungen bekommen, die das beheben sollen. Mal schauen.

Ich hatte wirklich Angst vor der OP. Nicht direkt vor dem Eingriff, sondern vor dem künstlichen Koma. Ich habe aufgehört zu atmen und mußte das einer Maschineüberlassen. Außerdem waren mir natürlich die möglichen Nebenwirkungen zu wider. Halsschmerzen,übelkeit, Schwindelgefühl, ein Schlauch im Bauch zum Flüssigkeitstransport. Aber nein, nichts dergleichen sollte ich bekommen. Die Betäubung und alles habe ich sehr gut weggesteckt und ich bin 3 Stunden nach der OP schon wieder rumgelaufen. Irgendwie macht mich das schon etwas stolz, weil ich mir wegen meiner Schmerzen immer wie ein Weichei vorkam. Das hier ist jetzt die Bestätigung, daß es kein kränkeln war. Mehr noch, sogar daß ich eine Menge aushalte und zumindest was so was angeht, hart im Nehmen bin. Ganz davon abgesehen scheine ich eine unglückliche Immunität gegen Schlaftabletten zu haben. Ich habe zwei Nächte Schlaftabletten bekommen, die nun gar keine Wirkung hatten. Dabei war ich nicht mal aufgeregt, sondern einfach nur nicht müde. Ob das vom jahrelangen Kaffeekonsum kommt?

Gut, ich habe euch von dem Alzheimerpersonal erzählt, meiner andauernden Zwiebackfolter, aber ein Punkt fehlt noch. Ich wußte, daß ich die OPüberlebe. Ich wußte es irgendwann sicher. Nämlich nachdem ich hier die Toilettenüberlebt habe. Also McDonalds Toiletten lassen meinen Körper ja schon in Alarmzustand gehen, aber das? Stellt euch vor 30 rüstige, sehgeschwächte, Prostata kranke Männer versuchen im Stehen zu pinkeln. Wenn man das Klo sieht hat man nur noch den Instinkt sich zwei von jeder Art zu schnappen und eine Arche zu bauen. Es gibt neben dem Waschbecken zwei Flüssigkeitsspender. Einen mit Seife, einen mit leicht entflammbarem Desinfektionsmittel. Ich war versucht, erstmal alles abzuflammen. Aber habe mich dann doch getraut das Klo einfach so zu benutzen. Langzeitschäden sind unbekannt, aber ich habe das Gefühl an meiner linken Pobacke wächst ein zweiter Kopf.

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