Wilde Mütter

Wehe wenn sie losgelassen sollte das Motto mancher Eltern manchmal heißen. Moment! Dieser Beitrag richtet sich vor allem an Mütter. Aber wenn ich hier den Mann an der Theke sehe, will ich nicht den Eindruck entstehen lassen, daß vorwiegend Frauen manchmal etwas instinktgeleitet sind. Sehr hilfsbereit zeigte der Mann gerade einer Frau den Weg zu ihren Freundinnen. Dieser Gesichtsausdruck ist nahezu unbeschreiblich. Aber ich war weniger damit beschäftigt Adjektive für diese debile Gesichtslähmung zu finden, als mir ein „Vorsicht frisch gewischt“-Schild zu besorgen. Immerhin will ich nicht, daß hier jemand auf seiner Sabberspur ausrutscht und mein Lieblingspub wegen einer horrenden Schadenersatzsumme geschlossen wird.

Ja ich sitze wieder im Jacks und schreibeüber die kleinen, banalen Dinge des Lebens. Genau die gilt es manchmal zu genießen. Alles schwere, große, das uns jeden Tag zu erdrücken scheint sollte für etwas Ruhe unsere Köpfe verlassen.

Der kleine Beitrag heute dreht sich um drei Köpfe. Ich habe mein Haupt mal wieder zum Frisör geschleppt und dort endlich mal wieder einer bekannte Frisöse etwas arbeit beschert. Während unseres Gesprächsüber humorvolle Moderatoren fielen uns die benachbarten Kunden auf. Eine Mutter und ihre Tochter. Die Tochter war hübsch anzusehen, nichtübertrieben gestylt, aber trotzdem eher die Clubdrossel-Gattng. Ihre Mutter sah ihr, trotz mehrfacher Versuche meinerseits diesen Punkt zu ignorieren, sehrähnlich. Aber ihre Art sich auszudrücken und ihre Gestik waren anders. Ganz davon abgesehen, daß sie eher den Stil eine Moorleiche hatte.
Die Unterhaltung klang als würden sich beide sehr mögen, aber auch als hätten sie sich lange nicht mehr gesehen. Sehr lange. Die Mutter sprach wiederholt von alten Fotos während sie mehrere Hunderter zählte. „So erst Oma und dann hier zum Frisör…“ war ihr letzter Satz bevor sie mich, anscheinend erneut, wahrnahm. „Sehr viel besser! Sehr hübsch, ja so siehst du heiß aus“, warf sie zu mir rüber. Vollkommen aus dem Hinterhalt erwischt wanderten meine Blicke zwischen Spiegel, Mutter und Frisöse hin und her. Uneinig darüber welches Ziel sie anschauen sollten, ruhten meine Blicke letztendlich auf der Mutter. Dabei sagte ich etwas, das ich sehr selten sage. Nämlich gar nichts.

Nachdem der Satz noch einmal wiederholt wurde, Mutter und Tochter erwartungsvoll (und in einem von zwei Fällen etwas beschämt) hinüberschauten, sprang meine Frisöse für mich ein: „Der sah schon vorher gut aus. Ts.“ Der Gegenangriff folgte sofort: „Naja, aber das ist aber kein Vergleich zu vorher. Das ist einfach super so. Wirklich extrem besser.“ Endlich hatte ich anscheinend begriffen, daß zwei Frauen darüber diskutieren, wie und wann ich gut aussehe. Da ich ja immer meine Ausdrucksfähigkeit als meinen Vorteil gesehen habe und eben nicht mein entzückendes Äußeres, mußte ich auch endlich etwas sagen. Immerhin sah ich vorher auch gut aus. Naja – den Umständen entsprechend. Also ballte sich meine Wortgewalt zu einem einzigen Schlag zusammen: „Och ja, geht doch.“

Wow! Bill Clinton wäre stolz auf mich gewesen für diesen Akt verbaler Expertise. Ich schiebe es einfach mal auf die Medikamente und meine generelleüberraschung. Geschlagen, aber gut verteidigt verließ ich den Frisör und genieße jetzt den Rest des Tages bei Kaffee und Pillen im Jacks.

.: 3 Doors Down – Kyptonite :.

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