Hic sunt dracones

Einer der Standardsätze, die einem im Leben begegnen, ist wohl:“Jedes Ende ist ein neuer Anfang.“ Es ist einer dieser Sätze, den man in den dazugehörigen Situationen selten hören will. So traurig es auch ist, daß er ein Ende vorraussetzt, so wahr ist er aber auch.
Hic sunt dracones findet sich oft auf mittelalterlichen Karten. Wahrscheinlich, um das Ende der bekannten Welt und / oder Gefahren zu markieren. Ich bin wohl zwangsweise vor ein paar Monaten zu neuen Ufern aufgebrochen. Nein – nicht das andere Ufer! Hier, wo ich jetzt bin, ist viel neu für mich, viel unbekannt und nicht viel so, wie es mal war. So fängt dann wohl eine neue Reise, ein neuer Abschnitt an.

Hic sunt dracones!

So hatte ich das nicht gemeint, als ich vor 11 Tagen diese Sätze schrieb. Zwar galt es einen neuen Abschnitt in meinem Leben zu entdecken, aber eine Ebbe im Blog war nicht Teil der Erwartung.
Alles began mit dem Gefühl Altem nicht mehr so stark hinterher zu trauern und sich etwas neues zu suchen. Das galt für meine Zwischenprüfung genauso wie für World of Warcraft oder für meine Reallife gebeutelte Rollenspielgruppe. Irgendwann entspannte sich alles und ich konnte mir die Zeit und Ruhe nehmen, die ich brauchte. Die Ruhe ohne das Gefühl immer etwas tun zu müssen. Die Ruhe, um Kraft zu sammeln. Keine Ruhe aus Faulheit, sondern Ruhe für mich, weil sie mir gut tut und ich sie mir verdient habe. Die Ruhe vor dem Sturm.
Level für Level ging es mir durch WoW besser, genauso wie Tag für Tag im Fitneßstudio. Irgendwann wußte ich, daß die alte Zeit vorbei ist. Aber das heißt nicht, daß man schon eine neue Zeit beginnen kann.übergangsphasen leiten uns in die neue Lebensphase. Meine Phase war nicht das Feiern und Wegfahren der ersten Monate, sondern das Alleinsein der letzten Wochen.

Ich rede so viel von dem was war, aber was ist denn? Hier sind inzwischen Drachen. Vor kurzer Zeit sprach ich eine Dame an, an der ich kein Interesse hatte. Jedenfalls kein unplatonisches Interesse. Ich war glücklich zu dem Zeitpunkt und gerade seit ein paar Tagen an dem Punkt angekommen, daß es noch Zeit hat eine neue Beziehung zu haben. Darum war es auch völlig in Ordnung Sophie auf ihre DSA Elfe anzusprechen. Immerhin hatte ich ja beschloßen mir eine zusätzliche Rollenspielgruppe in Hannover zu suchen.
Sicher nach den längeren Telefongesprächen mit ihr machte sie schon einen durchaus positiven Eindruck, aber das Single sein ist doch soooo supi, oder? Irgendwann sind meine Ziele dann gekippt. Ich suchte keine Rollenspielgruppe mehr, sondern wollte sie kennenlernen. Klischeegerecht lernten wir uns nämlichüber ein Studentenportal kennen und nicht im richtigen Leben. Wo denn auch? Fast alles schöne wurde abgerissen.
4 Tage später stand sie dann vor meiner Tür. Mein Start war ungewöhnlich schlecht. Perfekt vorbereitet mit nächtlichen Magenschmerzen und daraus resultierendem Schlafentzug saß ich agil wie ein Sandsack in meinem Sessel. Ich lauschte den engelsgleichen Klängen aus meinen Boxen wärend ich schnell noch einen Quest in WoW erledigte. Was ich nicht tat war ihr klingeln zu hören. Zum Glück gibt es ja Handys und sie konnte michüber meine kleine Unaufmerksamkeit unterrichten. Mit großen Augen und kleinem Ego trat ich ihr dann vor meiner Tür gegenüber. Ich habe gehofft einen Menschen zu sehen, der hoffentlich mindestens halb so schön ist, wie die Stimme am Telefon. Genau darum wiederholte ich in Gedanken immer wieder das Mantra: Hoffentlich sieht sie gut aus, hoffentlich sieht sie gut aus, hoffentlich sieht sie gut aus, hoffentlich sieht sie gut aus, hoffentlich sieht sie gut aus… . Der harmonische Kreis wurde von einem „Oh fuck“ zerrissen als ich die Türöffnete. Ganz im Gegensatz zum Mantra war der Fluch leider nicht nur in Gedanken, sondern in Wort und Ton. Sie hörte den Satz zum Glück nicht.
Ein Wolf im Schafspelz ist eineübliche Redewendung. Aber Sophie war mehr ein ausgewachsener Drache, den ich versucht habe in einen Schafspelz zu zwängen. Ich mußte feststellen, daß das mehr den Anschein einer Bondagephantasie hat als wirklich wahrheitsgetreu zu sein. Nun mit anderen Worten: Ich war hin und weg. Der Abend war schön, nur machte sie mir leider ganz unmißverständlich klar, daß sie sich sicher ist sich niemals in mich verlieben zu können. Warum weiß sie leider nicht, weil sie mich eigentlich toll findet.

Einige Tage später, seit dem 30.08.06, sind wir offiziell zusammen. Hurray, rejoice! Wir sind nunmehr seit 15 Tagen unzertrennlich und haben auch keinen Tag mehr allein verbracht. Ganz schön viel Nähe, oder? Nein, es ist sogar sehr schön. Ich könnte jetzt erzählen wie wir an diesen Punkt gekommen sind, aber das möchte ich nicht mal. Es wäre zwar eine Geschichte voller Humor, Sex und Tränen, aber im Moment ist sie nicht, was ich erzählen möchte.
Ich möchte erzählen wie glücklich ich darüber bin jemanden gefunden zu haben, bei dem ich mich so wohl fühle. Jemand der so viel mehr ist, als ich für möglich hielt. Jede Beziehung war bis jetzt immerähnlich. Immer mitähnlichen Frauen, bei denen ich gefunden habe, was ich erwartete. Hier habe ich etwas bekommen von dessen Existenz ich nicht wußte. Ein Mensch der mir alles gibt was mich glücklich macht und eben nicht nur das, das ich brauche. Es klingt vollkommen wirklichkeitsfremd undübertrieben was ich denke. Es klingt eben verliebt, aber das ist es nicht nur. Ganz realistisch betrachtet sieht sie genauso aus, wie von kleinen rosa Schäfchenwolken umgeben.
Auf der anderen Seite ist sie gefährlich für mich. Noch eine Enttäuschung wäre jetzt erst recht schwer zu verarbeiten. Aber ich glaube an sie. Selbst, wenn es schief geht. Sie ist es wert, mehr als andere. Wir ergänzen uns und geben uns was wir brauchen. Das passiert, obwohl wir beide dachten, daß es wohl auf diese schöne Art und Weise wohl kaum möglich sei. Ich weiß wofür ich kämpfe und den Mut und die Kraft zieh ich aus mir selbst. Die Pause hatte ihren Sinn. Die Ruhe ist vorbei, jetzt ist Sturm. Wenn ich eines bin, dann glücklich, auch wenn der Satz „hic sunt dracones“ mehr Gefahr andeutet denn je.

Ich bin glücklich, weil ich sein kann wie ich bin und jemanden habe, der mich genauso und nicht anders liebt.

.: He is Legend – The Seduction :.

2 Kommentare

  1. „Ich bin glücklich, weil ich sein kann wie ich bin und jemanden habe, der mich genauso und nicht anders liebt.“

    Das ist mal ein schöner Satz.

    Guter Blog, weiter so.

  2. Danke sehr, ich schreibe jetzt auch wieder mehr 🙂

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