Spinnennetze

Es ist nicht so, daß ich nicht würdige, wenn etwas funktioniert. Aber muß immer genau dann alles perfekt laufen, wenn es sich eher wie eine bittersüße Drohung anfühlt? Ich bin zwar kein Gremlin, aber mich nach Mitternacht zu füttern hat anscheinend ungeahnte Nebenwirkungen. Ich war high durch eine Mischung aus einem Teil „Schöner Abend“, einem weiteren Teil „Verrückter Verwunderung“ und einem kleinen Spritzer „Becks“. Meine ausgeprägtenüberlebensinstinkte führten mich zu einer McDonalds Filiale. Trotz des Fehlens jeglichen Hungers bestellte ich mein Gute-Laune-Menue: Eine 20er mit 2x Süß-Sauer und 1x Barbecue abgerundet von einem Vanille Milchshake, hoffentlich 2006er Jahrgangs. Der Shake wurde genüßlich aufgenommen wärend ein, zwei Nuggets ihren Weg in meinem Magen fanden. Den Rest gibts zum Frühstück, aber ohne Milch. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal etwasübrig gelassen habe. Aber in meinem Magen machen sich anscheinend großflüglige Insekten breit, die irgendwie zwischen einem Becks und einem Ginger Ale ihren Weg dort hin fanden.
Um mich herum singt Katie Melua von Spinnennetzen und ich frage mich gerade zu welcher Art denn diese gehört. Grundsätzlich ist an spontanem Verhalten nichts schlimmes. Aber ich weiß genau wo Spinnennetze lauern, wo Rotkäppchen heute Nacht nicht mondsüchtig sein sollte oder sich Werwölfe und Vampire die Klinge in die Hand geben. Schlimm ist, wenn man trotzdem hingeht. Selbst Schuld. Darwin zum Trotz lassen sich manche Menschen einfach nicht durch ihr von jeder Art vonüberlebenstrieb befreites Verhalten auslöschen.
So gehe auch ich mitten durch die Nacht. Der Sommer gibt sich alle Mühe eine wundervolle Nacht zu zaubern, während der Mond voll und gelb strahlt, als versuche er mir zeigen, daß die Sonne gar nicht so unersetzbar ist. So war es praktisch ein feiner Männerabend. Der Mond versuchte zusammen mit den Sternen mir den Weg nach Hause zu leuchten. Mein Blick schweifte zum Himmel hinauf, wieder hinab auf mein Buch und versuchte mit einer Art Reizüberflutung meinen Kopf aus den romantischen Gedanken zu reißen. Es schlug fehl.
Später stand ich vor meinem Dornröschenschloß, das durch das langsam beunruhigend-gelbe Sonnen(Mond)licht angestrahlt wurde. Dornröschen hätte sich sehr wohl gefühlt. Dieser Gedanke, unterstützt von einer Ranke eines Himbeerstrauchs, die mich arglistig zu Fall brachte, erweckte in mir eine Art prophetischer Gewissheit. Die Gewissheit, das ich mich mal um den Garten kümmern müßte. Aber natürlich war es jetzt mitten in der Nacht der total falsche Zeitpunkt. Stellt euch vor, ihr werdet gefragt, was ihr denn nach einem Treffen getan habt und seht euch in der Situation anworten zu müssen:“Ich habe Moosvernichter verteilt, Unkraut ausgerissen und die Büsche beschnitten!“ In mir würde das einige panische Selbsterhaltungstriebe wecken.
Nein. Jetzt ist es eher die Zeit einzusehen und zu erkennen, daß der richtige Weg oft zwischen vielen falschen versteckt ist. Wenn man ihn einmal gefunden hat, ist er oft nur so fein der Faden eines Spinnennetzes und ihn zu verfolgen stellt sich als das wahre Kunststück heraus.

.: Katie Melua – Spider’s Web :.

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