Traumzeit

Ich versuche zu schlafen, jetzt schon seit Stunden. Meine Gedanken führen mich an alte Orte und vergessene Plätze. Sie lassen mich herumreisen, nur gerade nicht zu Ruhe kommen. Ich suche meinen Frieden, aber finden kann ich nur Verlorenes. Es sind diese verlorenen Scherben, die Dir zeigen wie schön mal ein ganzes war. Aber alles, daß Dir bleibt ist die Scherbe in der Hand. Du hast nur zwei Möglichkeiten: Entweder du legst sie schnell weg oder Du bist in Gefahr Dich an ihr zu schneiden.
Es ist Märchenzeit und ich sehe alte Helden und Feinde.
Meine erste Reise führt mich zur guten Morgaine, oder Morgan la Fey. Die erste Fee, die ich kennengelernt habe und Zauberin noch dazu. Ich erinnere mich wehmütig an die Ausflüge mit ihrer Familie oder unsere Spaziergänge nach der Arbeit. Obwohl nie mehr zwischen uns war, auch wenn ich mehr gefühlt hatte, war es schön. Das Gefühl war schön. Nach der Arbeit mit immer knapp einhundert Menschen spät in der Nacht spazieren zu gehen, hatte ein etwas so wundervoll friedliches, wie ich es mir heute wünsche.
Schon verschwimmt das Bild und ich sehe Prinzessin Sarah, die Stolze. Es ist merkwürdig, wenn sich zwei Menschen so sehr nicht mögen, daß eine große Sympathie herrscht. Dabei kamen doch einige Gemeinsamkeiten hinzu und es war oft sehr lustig. Leider weniger, wenn man gegen eine ihrer Schutzmauern prallte, woran auch das freundschaftliche Verhältnis kaputt ging. Wenn sie einer beim Architektur studieren trifft, grüßt sie bitte. Immerhin ist es ihr Traum und Mauern bauen, kann sie schon mal. Ich erinnere mich an eine Nacht in der wir gelernt haben, daß es unglaublich witzig ist, durch Hannover zu gehen und dabei Pistazienkerne zu essen. Wir hatten nichts weiter vor. Leider hatte sie dann eine ihrer Stimmungsschwankungen und ging doch spontan nach Hause. Worauf ich die nächsten 4 Stunden im Alexander Steak aß, weil ich auf den 1. Bus morgens warten mußte. Ach und wenn wer Fiona kennt, die einen leicht asiatischen Touch hat und einen künstlichen Schneidezahn hat, ich wars nicht. Ich hab damals die Schuld auf mich genommen, weil ich nett sein wollte.
Jetzt fliege ich direkt ins Paradies. Als Adams moderner Nachfolger kostete ich von Eva’s verbotener Frucht. Es war wirklich köstlich und schön, leider wurden wir dann aus dem Paradies geworfen und gingen dann eigene Wege. Schade, daß eine der wenigen Frauen, die mich versteht ausgerechnet das Leidüber die Menschen brachte.
Von verbotenen Früchten kam ich dann zu Tomaten. Nachtschattengewächse sind schon etwas merkwürdiges. In der ersten Nacht, in der sie noch keine Sonne gesehen haben, blühen sie fast auf und sind so schön, wie sie danach nie wieder sein werden. Egal wie viel Dünger und Zeit man investiert. Sobald sie einmal die Sonne gesehen haben, fühlen sie sich dort wohl, aber da dürfen sie nicht sein, weil sie nun einmal Nachtschattengewächse sind. Bemerkenswert banaler Konflikt, aber nichts destotrotz schwerwiegend.
Dann sehe ich die zweite Fee, aber auf weißer Leinwand. Nackt ist die Umgebung. Ich sehe keinen Moment, ich sehe ein Fabelwesen und seine Geschichte. Der Widerspruch zwischen Sein und Schein. Wie in einem Sommernachtstraum versucht sie mir den Unterschied zwischen ihrem Aussehen und ihrem inneren zu zeigen. Alles biegt sich, alles ist verwirrend. Ich sehe, daß die Welt eine Scheibe ist und sie versichert mir das Gegenteil. Schließlich glaube ich ihr aus vollem Herzen. Ich will lieber meine Scheibenwelt suchen und lasse sie in ihrer. Als ich verschwand fand sie sich auf einer Scheibe wieder, aber ich sah nur die Kugel.
Hier geh ich nun weiter, ich suche mein altes Paradies. Es zählt was man daraus macht, denke ich.
Und in aller Ehrlichkeit kann ich nur hoffen und den Frieden vermissen.

.: Rio Reiser – Halt Dich an Deiner Liebe fest (Wir sind Helden Cover – Rio Reiser Gedächtnisalbum) :.

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