Der Phönix und der Rabe

…und alles was mir in dem Moment blieb war ich selbst, und der Rabe, der mich die letzten Minuten begleitete. Ich war wieder Single. Wir sind zu der Erkenntnis gekommen, daß es so nicht weitergeht, für keinen von uns beiden. Ich habe auch Fehler gemacht, sogar sehr große, schwerwiegende. Wenn eine Beziehung scheitert, ist nie nur einer Schuld.
Der Rabe war bei mir als ich durch den Park wanderte. Gerade nachdem Schluß war krähte er das erste malüber mir. Seitdem begleitete er mich durch den Park, flog von Baum zu Baum und krähte laut.
Nimmermehr sollte es in einer Beziehung so sein, wie es bei uns war. Wir wollen schauen, ob wir neu anfangen können, ob wir beide alles vergeben können. Ich weiß selbst nicht, ob ich eine neue Chance will. Ich stelle mir so viele Fragen, ob es das wert sei, ob ich es verdiene, ob es gut ist. Und der Rabe krähte.
Ich wanderte zum Fahrradständer, langsam aber stätig Richtung Straßenbahn. Da kam der Rabe und setzte sich neben mich auf einen Ständer. Ein Rabe begleitet die toten Seelen in ein anderes Reich. Er ist ein Zeichen des Endes, ein Gefährte auf dem Weg; er ist ein Zeichen der Veränderung und vielleicht bringt er auch die Hoffnung auf etwas Neues nachdem Ende.
Nimmermehr wollte ich jemandem so weh tun. Die Kontrolleüber meine, auch so schon bedingt rationale, Handlungsweise verlieren. Ich wollte alles ungeschehen machen und war gleichzeitig erleichtert, dass es ein Ende genommen hat. Es sind keine Verpflichtungen mehr da, vielleicht gibt es eine Fortsetzung, vielleicht auch nicht. Jeder muß für sich selbst entscheiden und keiner nur wegen des Anderen.
Ich mache Fehler, ich bin kein Kind mehr, aber selbst noch nicht Erwachsen. Ich finde mich bedingt wacher als andere Menschen, aber ich habe noch nicht alles gesehen. Es geschehen schlechte Dinge und ich weiß auch nicht, wie man perfekt eine Beziehung führt, auch wenn ich beziehungsfähig bin. Ich kann noch keine haltende Beziehung führen, sonst hätte ich wohl schon eine. Ich muß noch lernen undüben und es kann nicht klappen. In diesem Moment wurde mir das alles klar. Und der Rabe Krähte.
Der gerade einsetzende Regen tat gut. Die Erfrischung lenkte von meinem Zorn ab. Als der Zorn ertrank suchte ich Schutz unter dem nächsten Baum, bevor ich ihm es gleich getan hätte. Das Krähen klang inzwischen bekannt. Er schaute mich immer an, aber er gab keine Antwort auf meine Fragen.
Nimmermehr wollte ich das Gefühl haben mich selbst so sehr zu belügen, wie in den letzten Wochen. Nach dem Streit und ihren Gemeinheiten war es keinem klar, warum ich bei ihr blieb. Warum ich keine neue Beziehung suchte. Ich habe immer gesagt, daß mein Herz das erste Mal aufhört mich zu beraten, dass das Gefühl mich nicht mehr leitet.
Dann strahlte die Erkenntnis heller als ein sauberer Fleck auf einer Herrentoilette: Mein Gefühl war immer da. Warum blieb ich bei ihr? Ich wußte es nicht, aber ich hatte das Gefühl, daß es so richtig war. Warum gab ich ihr immer eine Chance? Es war keine Blindheit oder falsche Treue, es war das Gefühl, daß mich leitete.
Es waren bittersüße Stunden seitdem. Einerseits weiß ich nicht, was die Zukunft bringt, und ob wir eine Chance haben, andererseits bin ich wieder mit mir im reinen. Das bin ich, mit den guten und schlechten Seiten.
Der Phönix kam aus seiner Asche und der Rabe verschwand.

.: In Flames – Yesters Race :.
.: Guano Apes – Quietly :.
.: Killswitch Engage – The End of a Heartache :.
.: Powerman 5000 – The End is Over :.

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