Artikel von Januar 12th, 2005

Von Sündenböcken und Inquisition 2.0

Wie schon öfter festgestellt, die Schuld hat grundsätzlich jemand anderes. Vor etwas über 70 Jahren kam jemand an die macht, der dachte, dass z.B. die Juden an allem Schuld sind. Er kam an die Macht, weil die mächtigen ihn nicht ernst nahmen, aber das ist jetzt gerade Nebensache. Heute wählt man Rechts, wenn man sagen will, dass etwas in Deutschland falsch läuft und man irgendwem ja die Schuld geben muß. Dafür hat natürlich auch nur Deutschland daran Schuld, dass die meisten Jugendlichen ausländischer Abstammung zu Prolls werden Spiele wie GTA: San Andreas „leben“. Ah und genau da sind wir beim Thema. Die Art wie die Politik mit Jugendschutz umgeht gleicht schon fast der Inquisition. Fast? Damals wurden Bücher verbrannt und „böses Wissen“ vernichtet, weggeschlossen und für sich selbst behalten. Heute? Computer und Fernseher sind schuld an der Gewaltbereiten Jugend.. ach ich habe „unintelligenten“ vergessen. Da ich vorhin gerade wegen Hannah Arendt bei 1950 war, will ich da noch einmal ansetzen. Also die Jugend hatte gerade Bücher verbrannt, Menschen wegen ihrer Herkunft getötet und man vergleiche den Wissensstand einmal mit heute. Die Jugendlichen sind heute wesentlich intelligenter als die Jugendlichen von damals. Weltweit stehen wir aber eher hinterher. Warum? Natürlich die Computerspiele sind Schuld. Bitte? In Frankreich werden teilweise sogar Ergebnisse von Onlinespielen in großen Tageszeitungen abgedruckt. Somit hat das Spielen dort einen weitausakzeptierteren Standpunkt als hier und trotzdem stehen wir hinter Frankreich. Japan, das Computerspiele Konstantinopel schlechthin, ist sowohl bildungstechnisch als auch wirtschaftlich weiter als wir. Das obwohl dort Spiele im Volk einen höheren Standpunkt haben als hierzulande Talkshows, Kant und Politik. Theorethisch sollte Japan dann wohl das schlechteste aller Länder sein, ist es aber wohl irgendwie nicht. Man mag nicht, was man nicht kennt und nicht versteht. Da immer noch mehr alte als junge Leute wählen gehen, viele Politiker vom Alter her direkt von Hitler abstammen könnten und ungefähr so kompromissbereit sind wie er, ist es kein Wunder, dass alles neue verteufelt wird. Anlass zu diesem Beitrag ist diese Nachricht. Ich muss allerdings an dieser Stelle die USK loben. Durch die Macht, die ihnen verliehen wurde, schaffen sie sich viele Feinde. Trotzdem nutzen sie sie zum Rechten und lassen keinen politischen Druck auf sich ausüben. Die Bpjm dürfte schon mehr als einmal rot angelaufen sein vor Wut. Spiele werden nicht einfach verboten und zensiert, indem man sie indiziert und nicht einmal mehr für Menschen über 18 verfügbar macht,...

Mehr

Was ist Politik?

Auf meiner Suche zum etwas schwammigen Thema „Was ist Politik?“ bin ich auf Fragmente der Arbeit von Hannah Arendt gestoßen. Sie begegnet der Frage „Was ist Politik?“ ganz selbstverständlich mit der Antwort „Politik ist Freiheit“. So war es auch in der Antike die allgemeine Überzeugung. Hannah Arendt schrieb dies 1950 in einer noch sehr von einem Diktator geprägten Zeit. Ihr Buch hat in mir einige Fragen aufgeworfen Seit der Antike hat sich einiges geändert, besonders die Macht, die Politik hat. Im Gegensatz zu damals hat heute ein einzelner Staat die Macht alles Leben auf dieser Erde zu vernichten. Das macht die Fehlertoleranz für skupellose Menschen ziemlich gering. Wie sie ausführt ist Politik in ihrer (so auch in unserer) Zeit zur Lebenserhaltung da. Aber anscheinend erreicht sie oft das Gegenteil. Hat dann Politik überhaupt noch einen Sinn? Es braucht ein Wunder, dass sich alles um Guten wendet. Wunder sind, nach Hannah Arrendt, nichts überirdisches. Wunder können von Menschen geschaffen werden und jeder große Umbruch erscheint uns wie ein Wunder. Würde man sie aus 1950 in unsere heutige Welt einladen, so würde sie, denke ich, einiges wie ein Wunder finden. Alleine die Fortschritte in der Medizin oder Raumfahrt. Aber all das sind keine politischen Wunder. Im Gegensatz zur Forschung, ist es in der Politik wesentlich schwerer als Einzelperson wirklich einen Umbruch zu starten, der nichts mit Waffen und Gewalt zu tun hat. Alleine die tatsache ist schon traurig. Hannah Arendt sagt, dass Freiheit ist, wenn man etwas Anfangen kann, Prozesse loszulassen und etwas Neues zu beginnen. Ist man dann heutzutage wirklich frei? Kann man etwas wirklich Neues beginnen? Oder nur die eigene Kopie von etwas, das jemand anderes einmal gemacht hat? Gibt es wirklich die Freiheit für eigene Ideen? Sie stellt fest, dass die Vorstellung einer mit Spontanität und Anfangen identischen Freiheit unser fremd ist. Unser begriffliches und kategorisches denken läßt uns die Wahl zwischen vorgegebenem, Gutem wie Bösen. Freiheit bedeutet aber auch, dass man will, dass Dinge so oder anders sind. Ich denke, dass nur jemand, der sich von Kategorien und Vorgegebenem löst, wirklich frei denken kann. Selbst wenn man wieder auf alte Ergebnisse kommt. Frei ist nur, wer sich nicht nur die Wahl zwischen A und B läßt, sondern wer nachdenkt, dass beste für sich sucht und ein eigenes Ergebnis sucht. Wenn man zufällig bei einem A oder B sehr ähnlichen Ergebnis landet, ist das nicht schlimm. Im Gegenteil...

Mehr

Gute Nacht

Eigentlich wollte ich heute noch einen Beitrag schreiben, aber als ich die 40 Minuten mit Bus und Bahn hinter mir hatte, war die Luft irgendwie raus und ich will doch, dass Hannah Arendt einen angemessenen Beitrag bekommt. Ich brauche wirklich einen Laptop. So viel wie bei mir verpufft, weil ich nicht rechtzeitig zum Schreiben komme, ist nicht gut. Der Satz hatte einen kleinen Anflug von grammatischer Schwäche. Ich gehe lieber erst einmal weiter entspannen… das tue ich schon, seit ich zu Hause bin und mir geht es echt gut 😉 Darling Violetta – A smaller...

Mehr