Heimweh

Wo fängt man an zu schreiben, wenn der Kopf voller Unordnung ist? Ich schaue auf das Jahr zurück und es ist verrückt. Es scheint als wäre alles, was im letzten Jahr geschah die Vorbereitung auf dieses Jahr gewesen.
Ob Schicksal oder logische Konsequenz, ist völlig egal. Alles zählt, ist dass es so ist, wie es ist.
Jedes Ende ist ein neuer Anfang. Ich mag solche Standard Weisheiten nicht, da sie oft wie leere Begriffe zitiert werden, aber dieses Mal ist es alles andere als leer.
Anfang letzten Jahres brach ich mit meinem Leben, mit alten Bindungen und wollte mir etwas Neues aufbauen. Ich brach nicht mit allem von dem ich Abhängig war. Aber meine Lebensgefährtin brach später noch mit mir. So ging dann das Jahr zu Ende, ich hatte nichts Altes mehr, jeder Kampf war vergeblich.
Zum ersten Mal kam ich mit Kraft nicht weiter, zum ersten Mal hatte ich kein Vertrauen mehr in mich. Zum ersten Mal hatte ich Angst und zum ersten Mal war ich wirklich auf andere angewiesen. Doch da war niemand mehr.
Ganz allein mit mir lernte ich viel über mich, aber anstatt es besser zu machen fand ich eine bessere Beschäftigung und lenkte mein Interesse auf jemand anderen. Kraft hatte ich wieder, da ich nicht mehr mit Selbstzweifeln beschäftigt war.
Leider half das Ablenken irgendwann nicht mehr und die Probleme kamen wieder – größer als zuvor.
Dann kam dieses Jahr. Wenn das andere Jahr vom Ende alles Alten geprägt war, so ist dieses Jahr das Jahr der Lehre.
Ich musste mein Wissen das erste Mal auf mich anwenden und nicht nur anderen Leuten helfen. Ich brauchte das erste Mal Mut und wieder vertrauen zu mir und alles was ich dieses Jahr hatte ging auch wieder kaputt. Alles was ich daraus behalten habe ist die Erinnerung. Es klingt wenig aber es ist viel. Die Erinnerung tut weh, aber ich habe viel gelernt und darf das nicht verdrängen.
Ich tue es aber, weil es mich schmerzt – weil mein Herz geteilt ist.
Das ist der Punkt, des Pudels Kern, der (un)heilige Gral. Ich bin nicht mehr ganz. Meine Stärke ist da, mein Glaube an mich ist wieder da, doch mein Herz, in seiner ganzen Kraft ist nicht vereint. Ein Teil ist bei mir und drei Andere zu ungleich großen Stücken über die Welt verteilt.
Dieses Jahr hat mich gebrochen und neu erschaffen. Im Gegensatz zu vielen Menschen, die nicht den Mut haben sich zu ändern, glaube ich nicht, dass man erst ganz kaputt sein muss, um neu anfangen zu können. Aber das Gute daran ist, dass man dann keine andere Wahl mehr hat.
Ich habe mehr gelernt und mehr aus diesem Jahr mitgenommen als in den vier Jahren davor und für mich war es gut so, dass alles so gekommen ist. Die letzte Lektion dieses Jahres habe ich noch nicht gelernt: Loslassen – Egal ob gewonnen oder verloren.
Bis ich das kann, habe ich Heimweh und mein Herz wird nirgends richtig zu Hause sein. Es ist noch zu viel ungeklärt oder eher noch nicht in festen Bahnen.
Aber was mich aus der Bahn geworfen hat, hat mich auch oft auf den rechten Weg geführt. Also, solange es noch so ist, akzeptiere ich das Heimweh. Ich habe drei Orte wo ich mich zu Hause fühle, auch wenn ich den einen vermisse, habe ich dann trotzdem nicht weniger. Was am Ende dabei rauskommt weiß man nie. Darum bleibt mir wohl nichts anderes übrig als meinen Weg zu gehen. Wo der Wohl hinführt? Hoffentlich nach Hause.

.: Julia – Heimweh :.

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